Doku-Soap : Das Maß der Hecke

Doku-Soap aus dem Kleingarten: Die ARD zeigt jetzt immer sonnabends „Die Laubenpieper von Pankow“.

Thomas Loy
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Gartenfreund. Jochen Linke ist einer der Kleingarten-Stars in der neuen Doku-Soap. Foto: David HeerdeDavid Heerde

Hunde spielen mit, ein Waldkauz, Rhododendronbüsche und Ligusterhecken, Apfel- und Pfirsichbäume, die deutsch-äthiopische Familie Shiferaw, die eine Kaffeeplantage anlegen möchte, Neusiedler Mario und Freundin Manuela (genannt: Moppel), die ihre Laube mit Graffiti besprühen, Frau Lorenz, die ihren Kirschbaum loswerden möchte und natürlich Jochen Linke, der Gartenberater und „Heckenpolizist“, aber das mit dem Polizisten hört er nicht gerne.

Alle zusammen sind sie die „Laubenpieper von Pankow“, eine neue Doku-Soap, die immer sonnabends um 10 nach 11 in der ARD läuft. Heute beginnt die erste Staffel. Obwohl jetzt im August schon alles am Verblühen ist, wird im Fernsehen die Gartensaison eröffnet – Titel der Sendung: „Wasser marsch“. Gezeigt wird der „Mikrokosmos“ deutscher Datschenkultur, denn, so der RBB: „Die Deutschen sind ein Volk von Kleingärtnern.“

Jochen Linke, ein schlanker Bartträger von 64 Jahren, spielt in mehreren Folgen mit, weil er für die Durchsetzung der Bundeskleingartenverodnung zuständig ist und als „Gartenfachberater“ den Hobbygärtnern zur Seite steht. Linke hat beispielweise ein Auge auf die Hecken, deren Gardemaß von 1,25 Meter nicht überschritten werden sollte.

Seit 1982 bertreibt er die Parzelle 139 der Anlage „Rosenthal-Nord“, eine der größten in Pankow. In seinem Garten gedeihen Birnen, Pflaumen, Weintrauben und Pfirsiche. Scheinzypressen und Eiben stehen formschön und aufrecht, wie gemeißelt. Zwischendrin ein Gartenzwerg, aber kein neumodischer Deko-Firlefanz, bis auf ein paar Solarleuchten. Linke ist fast jeden Tag hier. Seit vier Jahren arbeitet er nicht mehr.

Dass die Kleingärten samt Datschen und allerhand Getier jetzt im Fernsehen sind, findet der Gartenexperte gut. Das fördert das öffentliche Verständnis. Seine eigene Person würde er aber gerne wieder aus den Filmszenen herausschneiden. Viel zu ernst komme er rüber, wie ein Ordnungshüter eben, aber Linke nimmt die Gärtnerei nun mal ernst. Er kann endlos erzählen, warum der „Gitterrost“, ein Pilz an Birnbäumen, nur mit Chemie zu bekämpfen ist, warum es nichts bringt, einen Obstbaum nach dem sechsten Lebensjahr noch zu beschneiden und welche Pflanzen sich auf „sandigem Lehmboden – „nicht lehmiger Sandboden, das ist was anderes“ – wohlfühlen.

Ein Auto parkt mitten in der Kleingartenanlage. Jochen Linke entschuldigt sich kurz, tritt an die Hecke des Laubenbesitzers und bittet, doch den Wagen wegzufahren. Ein älterer Mann antwortet etwas ungehalten: „Junge, der steht hier gerade fünf Minuten.“ Kurz ein paar Sachen für den Garten auszuladen, sei schließlich erlaubt.

Die Kolonie will beim Schönheitswettbewerb der Berliner Kleingartenanlagen punkten, deshalb lassen sich Erinnerungen an die Vereinssatzung kaum vermeiden. „Es sind ja keine Privatgärten“, doziert Linke. Der Vorstand und er als Fachberater hätten jederzeit ein Zutrittsrecht. Wer seinen Garten vernachlässigt, muss mit Ermahnungen rechnen, im Extremfall mit der Kündigung. Aber meistens reiche ein Gespräch, sagt Linke, und der Rasen werde wieder gestutzt.

Die Doku-Soap wird vom RBB produziert. Vorbild sind ähnliche Alltagsserien der Privatsender. Allerdings wolle man keine Maschendrahtfehden und Beziehungstragödien inszenieren, sagt RBB-Redakteurin Petra Schmitz. „Die Kamerateams warten ab, was passiert“. Unterwegs sind sie in verschiedenen Pankower Kleingartenanlagen.

Bevor die Folgen ausgestrahlt werden, gibt es eine Preview im Vereinshaus in Rosenthal als kleines Dankeschön fürs Mitmachen. Jochen Linke wird kritisch prüfen, ob der Botanische Lehrpfad des Vereins Erwähnung findet. Seit kurzem gibt es auch eine Skulptur am Vereinshaus, den „Gärtner im Wind“. Bei der Aufstellung gab es ein paar Probleme. Mehr dazu in Folge 8 am 3. Oktober.

Laubenpieper von Pankow, sonnabends, 11.10 Uhr, ARD

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