Dokumentation : Familie aus Prenzlauer Berg segelt um die Welt

Drei Jahre lang sind die Winkelmanns aus Prenzlauer Berg auf See. Der RBB zeigt einen Film über die Familie.

Annette Kögel

„Für heute haben wir wieder ein Ganztagesachterbahnticket gelöst.“ So steht es im Internetlogbuch, Familie Winkelmann aus Prenzlauer Berg muss wirklich seefest sein da draußen in den Wellen auf ihrem Segelboot. Irgendwo im Nirgendwo, im Südpazifik zwischen Kolumbien und Neuseeland. Während am Freitag in ihrer Heimatstadt alle Klarschiff machten für die Leichtathletik-WM mit Sportlern aus aller Welt, passierten die Weltenbummler aus Pankow in der Ferne „die Atolle Takaroa und Takapoto“. Wen das Fernweh packt, der kann die dreijährige Weltreise der Berliner Eltern mit ihren beiden Kindern auf der elf Meter langen „Spica“ im Internet verfolgen – oder am Mittwochabend den Fernseher einschalten und das Weltenbummlerporträt auf RBB gucken.

Drei Jahre lang segeln die Winkelmanns um die Welt, drei Jahre lang dokumentieren sie ihr Abenteuer selbst mit der Kamera. „Und die machen das gut“, sagt der freie Autor, Produzent und Realisateur Kay Richter, der mit der Vidicon TV Produktion eine dreißigminütige Reportage gedreht hat. Richter spielte mal in Königs Wusterhausen bei dem Verein „Netzhoppers“ Volleyball, „und Lars Winkelmann war mein Trainer“. Die beiden trafen sich später zufällig auf Hiddensee wieder, und sein alter Trainer erzählte ihm von dem Vorhaben – schnell war die Filmidee geboren.

Der 44-jährige Winkelmann ist Umweltingenieur, seine 36-jährige Frau Luise hat pünktlich, bevor sie am 2. Juli 2008 in Stralsund in See stachen, ihr Examen zur Allgemeinärztin absolviert. „Das sind Leute wie du und ich, die zehn Jahre lang gespart haben, um sich diesen Traum zu verwirklichen“, sagt Richter. 40 Euro pro Tag haben sie als Budget, inklusive Sprit, Essen, Hafengebühren. Der Film erzählt davon, wie die Winkelmanns an der westeuropäischen Küste Richtung Kanaren südwärts segelten. Richter besuchte sie dann in der Karibik.

Drei Wochen hat die Atlantiküberquerung gedauert. Dass die Familie mit Sohn Till, sieben, und Tochter Marlene, fünf, Segel setzen konnte, bedurfte auch einer langen Diskussion mit der Bildungverwaltung, schließlich gilt für Kinder aus Deutschland die Schulpflicht. Doch die Eltern sicherten zu, dass sie den beiden an Bord den Grundschulstoff beibringen.

Zur Abwechslung gibt es Hörspiele oder Fischfang. Den Bewegungsmangel verkraften beide offenbar ganz gut. In Französisch Polynesien freuten sich alle über Langusten und Baguette. Marlenes fünften Geburtstag hat die Familie auf Martinique gefeiert, an Tills Ehrentag gab es eine Piratenpistole und Topfschlagen.

Eine richtig brenzlige Situation spielte sich im Ärmelkanal ab, als das Boot manövrierunfähig war, nachdem sich ein Tau in der Schiffsschraube verheddert hatte. Bei dem Trip, so zeigt der Film, lernt die Familie auch, mit sich selbst zurechtzukommen, und dass vieles da draußen oft ganz anders ist, als man es sich in Berlin, irgendwo da oben in Nordeuropa, vorgestellt hat. Annette Kögel

„Gesichter Berlins. Familie Winkelmann auf Weltreise“, 19.8., 22.05 Uhr, RBB. Internetlogbuch : www.sy-spica.de

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