Stadtleben : Doppelt verletzt

Italienische Wirte engagieren sich gegen die Mafia

Die Mafia in Berlin – sie blieb auch am Dienstag in der Pressekonferenz im Friedrichshainer „Il pane e le rose“ nichts als ein Phantom. Zwar haben sich inzwischen 17 Gastronomen der Initiative „Mafia? Nein danke!“ angeschlossen, doch sie sehen dieses Engagement als rein vorbeugend: Die Wirte, die überwiegend die gehobene Kategorie vertreten, behaupten von sich, sie seien nie auch nur ansatzweise mit irgendeiner Mafiavariante in Kontakt gekommen.

„Die Duisburger Morde haben uns doppelt verletzt“, sagte Pino Bianco von der „Trattoria a Muntagnola“, „zum einen, weil uns bewusst wurde, dass es die Mafia in Deutschland überhaupt gibt, und zum anderen, weil wir Italiener plötzlich alle damit in Verbindung gebracht wurden“. Nach seinen Angaben hatte er bislang keine Umsatzausfälle zu verzeichnen, er kenne allerdings Betreiber einfacher Pizzerias, die bis zu 30 Prozent verloren hätten.

Die Initiatorin der Kampagne, Laura Garavini, betonte, bislang handele es sich um eine reine Willenserklärung: Die Unterzeichner verpflichten sich, jeden Mafiakontakt sofort bei der Polizei anzuzeigen und niemanden zu beschäftigen, der solche Kontakte hat. Es sei jedoch geplant, nach dem Vorbild einer sizilianischen Bürgerinitiative ein eigenes Gütesiegel einzuführen, feste Strukturen aufzubauen und im gesamten Bundesgebiet Mitglieder zu werben, sagte Garavini, die der gewerkschaftsnahen Vereinigung „Unione Italiani del Mondo“ (UIM) angehört. Das Motto der Kampagne: „Menschen, die sich der Mafia beugen, sind Menschen ohne Würde.“

Einig sind sich die italienischen Wirte aber nicht über die richtige Vorgehensweise. Denn Andrea Fusaro, der „Ciao Italia“, einen weltweiten Zusammenschluss italienischer Gastronomen, vertritt, sagte, er unterstütze die Initiative zwar, halte aber wenig davon, an die Öffentlichkeit zu gehen. Er schätzt, dass maximal drei Prozent der italienischen Lokale in Deutschland Kontakt mit der Mafia haben. bm

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