Drehbeginn für Stauffenberg-Film : In Berlin läuft die Operation "Valkyrie" an

Über mögliche und unmögliche Drehorte ist viel geredet worden im Vorfeld des Stauffenberg-Films, in dem der bekennende Scientologe Tom Cruise die Rolle des Wehrmachtoffizieres spielen wird. Jetzt starten die Dreharbeiten.

Nadine Emmerich[ddp]
Cruise
Tom Cruise: Am Donnerstag starten die Dreharbeiten zu seinem umstrittenen Stauffenberg-Film "Valkyrie". -Foto: ddp

BerlinEigentlich ist schon das, was sich vor Drehstart abspielt, filmreif. Fast täglich gibt es eine neue prominente Stimme, die sich pro oder contra Tom Cruise und seinen neuen Film "Valkyrie" äußert. Die Hollywoodproduktion über den Hitler-Attentäter Claus Schenk Graf von Stauffenberg erhitzt seit Wochen die Gemüter. Dabei geht es vor allem um die Frage: Darf ein bekennender Scientologe wie Cruise den deutschen Widerstandskämpfer Stauffenberg spielen? Ungeachtet aller Diskussionen um Kunst- und Religionsfreiheit starten am Donnerstag in Berlin und Umgebung die Dreharbeiten für die umstrittene Produktion.

Für den eigentlichen Film interessiert sich bisher offenbar niemand. In den Fokus rückten die Drehorte - voran der Bendlerblock, in dem Stauffenberg 1944 das Attentat plante und in dem heute das Bundesverteidigungsministerium seinen Sitz hat. Dreharbeiten an dieser Gedenkstätte? Tabu. Eine Nacht lang durfte dies zwar Regisseur Jo Baier, der 2004 einen "Stauffenberg"-Film mit Sebastian Koch machte, doch musste auch er dabei strikte Regeln befolgen.

Kantine des Columbia-Hauses wird zum Filmset

Über die nun aktuellen Drehorte bewahrt das Studio Babelsberg in Potsdam hartnäckig Stillschweigen. Bekannt wurde trotzdem, dass im Ort Klein-Köris im Landkreis Dahme-Spreewald Hitlers Hauptquartier "Wolfsschanze" nachgebaut wurde. Auch in der Kantine des Columbia-Hauses nahe des Flughafens Tempelhof soll gearbeitet werden. Das Columbia-Haus war ab 1933 eine Haftanstalt für politische Gefangene. Heute sitzen dort Behörden.

Erst meldeten sich in dem Streit um "Valkyrie" die Cruise-Gegner lautstark zu Wort, darunter die Sektenexpertin der Unions-Bundestagsfraktion, Antje Blumenthal (CDU), der SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus-Uwe Benneter und der älteste Sohn des Widerstandskämpfers, Berthold Schenk Graf von Stauffenberg. "Er soll seine Finger von meinem Vater lassen", warnte dieser.

Dann konterten die Cruise-Befürworter: Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck ("Das Leben der Anderen") sagte, der "größte Star der Siegernation" in der Rolle des Stauffenberg werde das Ansehen Deutschlands mehr befördern, "als es zehn Fußballweltmeisterschaften hätten tun können". Schauspieler Sky Du Mont mahnte, Privatperson und Rolle auseinander zu halten: Cruise gehe nicht am Set umher und versuche, Leute für Scientology zu gewinnen.

Missionsarbeit am Filmset?

Dies scheint er tatsächlich aber doch zu tun: Cruise lässt kaum eine Gelegenheit aus, sich als Anhänger der umstrittenen Organisation zu zeigen. Berichten zufolge ließ er am Set seines Films "Krieg der Welten" ein Scientology-Zelt aufstellen und gab Journalisten erst dann ein Interview, wenn sie zuvor eine Scientology-Niederlassung besuchten.

Der Macher des Films, US-Regisseur Bryan Singer ("X-Men"), zeigte sich unterdessen erstaunt über die Aufmerksamkeit in Deutschland für dieses Thema. Er arbeite am Set mit Anhängern der verschiedensten Religionen, sagte er.

Auch wenn die Aufregung in Deutschland groß ist und auch Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) hinter dem Drehverbot für den Bendlerblock steht, darf sich Cruise, der bereits seit Anfang Juli in Berlin weilt und die Boulevardpresse erfreut, über finanzielle Unterstützung freuen: Aus dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF) gibt es rund sechs Millionen Euro für "Valkyrie".

Cruise hätte sich den ganzen Ärger übrigens sparen können, wenn er sich nicht so vorgedrängt hätte. Eigentlich war der Deutsche Thomas Kretschmann ("Der Untergang", "Der Pianist") für die Hauptrolle vorgesehen, doch dann meldete sich Cruise. Ob Kretschmann als Stauffenberg auch so umstritten gewesen wäre, ist fraglich. Aber möglicherweise ärgern sich die US-Produzenten gar nicht über die moralischen Bedenken der Deutschen: Denn über mangelnde Werbung für seinen Film kann sich Cruise nun wahrlich nicht beklagen. Und auch Scientology nicht.

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