Drehunfall bei Cruise-Film : "Polizei stellte falschen Lkw sicher"

Der nach einem Drehunfall beschlagnahmte Lastwagen sei laut Dekra-Gutachten technisch einwandfrei. Womöglich wurde jedoch das falsche Fahrzeug sichergestellt, behaupten jetzt einige Zeugen.

Michael Stürzenhofecker
Valkyrie
Einer der Lastwagen, die beim "Valkyrie"-Dreh eingesetzt werden -Foto: dpa

BerlinBeim Dreh zum Tom Cruise Film "Valkyrie" kam es am 19. August zu einem Unfall, bei dem sich mehrere Komparsen verletzten. Während der Fahrt öffnete sich die Seitenklappe eines Lkws und elf Personen stürzten von der Ladefläche. Wer den Unfall zu verantworten hat, ist bis heute umstritten.

Nachdem eine Dekra-Untersuchung festgestellt hatte, dass der Lkw "betriebssicher" sei, wurden die Statisten verdächtigt, die Klappe nicht ordnungsgemäß verschlossen zu haben. Die Komparsen wiederum bestritten vehement, dass der Lastwagen technisch in Ordnung war. Einigen Zeugen legte die Polizei erst jetzt Bilder des vermeintlichen Unfallfahrzeugs vor. Nach Aussagen der Betroffenen handelt es sich bei dem beschlagnahmten Lastwagen nicht um den Unfallwagen.

Zeugen äußern Manipulationsverdacht

Die Lkws seien schon während der Drehs mehrfach ausgetauscht worden. Direkt nach dem Unfall hätten sich Personen an den Fahrzeugen zu schaffen gemacht. Die Produktionsfirma habe zudem sofort alles einsammeln lassen, die "Praga"-Lkw wurden nebeneinander aufgestellt, "womöglich um Spuren zu verwischen", so ein Augenzeuge gegenüber tagesspiegel.de.

Als Alexander Klute, einer der Zeugen, das Foto sieht, ist er sich sicher: Das beschlagnahmte Fahrzeug ist mit so genannten "Spanischen Reitern", Straßensperren aus Stacheldraht, beladen, "die waren auf unserem Lastwagen sicher nicht drauf". Außerdem hatte das Unfallfahrzeug eine andere Heckklappe als das sichergestellte. "Das müsste auf den Filmaufnahmen zu erkennen sein", so Klute weiter.

Immer noch Zeugen gesucht

Andere Betroffene bestätigen diese Aussagen. "Direkt nach dem Unfall wurden sechs baugleiche Fahrzeuge an der Straße aufgestellt, die Klappen wurden allesamt hochgemacht." Als die Polizei eintraf, war es bereits dunkel. Die angerückte Polizei habe dann gefragt, welcher der Unfallwagen sei.

Für die Berliner Polizei ist es nicht ungewöhnlich, dass nach einem Unfall das Fahrzeug von der Straße geräumt wird. Die Nummernschilder hätten jedoch mit einigen Zeugenaussagen übereingestimmt. Die Polizei ist etwa eine Stunde nach dem Unfall am Tatort gewesen, die Produktionsfirma hatte zu dem Zeitpunkt bereits alles aufgeräumt und die Komparsen nach Hause "entlassen". Den Manipulationsvorwürfen wird die Polizei nachgehen, sobald das Filmmaterial zur Verfügung steht. Die Ermittlungen verlaufen nur schleppend, da sich noch immer nicht alle Zeugen gemeldet haben.

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