DRR-Abend im Admiralspalast : Als noch Osten war

Jan Josef Liefers geht heute Abend auf Zeitreise – und singt im Admiralspalast Songs aus der DDR. Als Ostalgiker will er aber keinesfalls gelten, dieser Trend gehe ihm total auf die Nerven.

G,a Bartels
Liefers
Jan Josef Liefers verspricht einen kurzweiligen Abend -Foto: AFP

„Das ist kein Eiapopeia-DDR-Abend“, sagt Jan Josef Liefers mit Schmackes und will damit erstmal den Ostalgie-Verdacht loswerden. Da habe er nämlich total was dagegen, gegen dieses ganze positive DDR-Gesülze. „Für mich war die Wende großartig“, sagt der 43-jährige Schauspieler und Sänger.

Das glaubt man gern, wenn man Liefers Biografie anguckt, der es zwar schon 1987 auf den Schauspielolymp der DDR – das Deutsche Theater – schaffte, aber dessen Film- und Musikerkarriere erst nach dem Mauerfall richtig losging. Inzwischen hat er mehrere CDs eingespielt, letzte Woche Kinopremiere in der schwarzen Komödie „Bis zum Ellenbogen“ gefeiert, ist Grimme-Preis- und Bambi-dekoriert und entzückt Tatort-Junkies als versnobter Rechtsmediziner aus Münster. Mit seiner Frau Anna Loos und Tochter Lilly lebt er in Prenzlauer Berg.

Jan Josef Liefers will den „Soundtrack seiner Kindheit“ nicht mit einem Zuckerguss versüßen, aber „löschen muss ich meine Erinnerungen auch nicht“. Vergangenes Jahr haben der in Dresden geborene Liefers und seine Band Oblivion die zwischen 1970 bis 1990 entstandenen Ostrocknummern von Bands wie Renft, Silly oder der Artrockcombo Lift zusammengestrickt. Da wurden sie schmeichelhafter Weise zur Ruhr Triennale eingeladen, erzählt Liefers und lacht: „Sonst spielen wir ja nur da, wo man uns lässt.“ Und plötzlich fand sich der Schauspieler, der von sich sagt, „kein besonderer Sänger“ zu sein, in einer Veranstaltungsreihe mit Pophelden wie Patti Smith oder David Byrne wieder. Statt zum x-ten Mal englischsprachige Hits zu covern, entschied sich Liefers dann dafür, musikalisch „dahin zu gehen, wo ich herkomme“.

Wie er die ausgewählten Ost-Songs einem Wessi erklärt? „Gar nicht. Ich handle ja nicht mit Zitronen“, sagt Liefers entspannt. Es seien alles Stücke, die ihm mal viel bedeuteten, die man auch jetzt noch gut hören könne und die zum Abend passten. Wie der aussieht? „Eine Mischung aus Musik, Biografie, Geschichten und privaten Super-8-Filmchen vom Maifeiertag oder Mauerfall.“ In den Tourneestädten im Westen der Republik käme das super an, sagt Liefers. Die Leute seien neugierig auf die Musik und oft überrascht von der Qualität. Und in der Tat hat seine mit kleiner, heller Stimme gesungene Interpretation der bei der DDR-Zensur verhassten Nummer „Als ich wie ein Vogel war“ Herz und Wahrheit. Und die Poesie des Lift-Songs „Mein Herz soll ein Wasser sein“ käme aus dem Mund eines Soul-Mystikers wie Xavier Naidoo heute, fast 30 Jahre später, unheimlich cool rüber.

„Im totalitären Regime kann man sich nicht eins zu eins äußern“, sagt Jan Josef Liefers. Da sind die Texte von Popsongs voller Metaphern und Botschaften und haben eine ganz eigene Dichte. Wieso so viele melancholische Balladen dabei sind? „In denen finden sich meist die klügeren Gedanken.“ Eigentlich will er vorab keine persönlichen Geschichten verraten. Aber dann tut er’s doch. Sie gehört zur Ballade „Am Abend mancher Tage“, die vom Gefühl der Leere und Trauer erzählt, die die Bandmitglieder von Lift empfanden, nachdem zwei Kollegen tödlich verunglückt waren. Das habe er erst später erfahren, sagt Liefers. „Für mich war’s der Song, den ich in der Zeit gehört habe, als man mich nur Abitur machen lassen wollte, wenn ich für drei Jahre zur NVA gehe.“ Liefers verzichtete – auf die Volksarmee und auf das Abitur. Aber nicht auf seine Musik. Gunda Bartels

Jan Josef Liefers singt heute um 20 Uhr im Admiralspalast. Karten: 19 Euro.

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