East Side Gallery : Mal’s noch einmal, Thierry

30 von 100 Bildern der East Side Gallery wurden erneuert. Rainer Eppelmann, Chef der Stiftung Aufarbeitung, schlägt das Mauerkunstwerk als Unesco-Welterbe vor.

Thomas Loy
East Side Gallery
Touristen im Glück. Die East Side Gallery ist teilsaniert. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

30 Bilder der neuen East Side Gallery sind fertig – und manchen Betrachtern kommt es so vor, als hätten sie einige von ihnen noch nie gesehen. Das denkmalgeschützte Mauerstück zwischen Ostbahnhof und Warschauer Straße wird seit fünf Monaten grundsaniert und neu bemalt. In vier Monaten sollen die letzten Gerüste verschwunden sein, so dass der Welt am 9. November ein kraftvoll leuchtendes, blitzsauberes, garantiert graffitifreies Berliner-Mauer-Gesamtkunstwerk präsentiert werden kann, das eben kaum noch wiederzuerkennen ist. Rainer Eppelmann, DDR-Dissident und Chef der Stiftung Aufarbeitung, schlug angesichts des Baufortschritts begeistert vor, das Mauerkunstwerk doch als Weltkulturerbe anzumelden.

Eppelmann war Ehrengast der Künstlerinitaitive East Side Gallery, die Dienstag zu einer ersten Vernissage geladen hatte, nach den misslichen Querelen um die Verteilung der Fördergelder und die Frage, ob die runderneuerte East Side Gallery möglicherweise ohne ihr bekanntestes Signet, den „Bruderkuss“, auskommen muss.

Die Querelen sind nicht behoben, aber der „Bruderkuss“ ist fast wieder fertig gemalt, soviel steht fest. Auch Thierry Noir wird seine Kopfmännchen auf 32 Mauersegmenten erneuern können, denn der Widerstand einiger Privateigentümer ist offenbar beiseite geräumt. Sie sollten den Bestand der Mauer auf 15 Jahre per Grundbucheintrag garantieren, um Gelder für die Sanierung erhalten zu können. Auf den Grundbucheintrag wird nun nach Angaben des Sanierungsträgers STERN verzichtet. Als Bestandsgarantie reiche der Denkmalschutz aus.

Die kleine Künstlergruppe um Bodo Sperling, die statt einer Aufwandsentschädigung von 3000 Euro ein Honorar von etwa 15 000 Euro verlangt, steht weiterhin abseits. Ihre Bildflächen werden in den Zustand vor der Bemalung zurückversetzt. Die DDR hatte die Ostseite der Mauer teilweise mit einfachen Rahmenornamenten versehen lassen.

91 Künstler haben zugestimmt, ihre Werke zu erneuern. Sie werden dabei von 16 ABM-Leuten in grünen Jacken unterstützt. Die Betreuer sorgen für steten Materialnachschub an Farben und Pinsel und kümmern sich auch um die Touristen, die bislang gerne ihren Namen und „I was here“ auf der Mauer hinterließen. Das wird jetzt freundlich unterbunden. Die ABM-Leute laufen jeden Morgen Streife, um Graffiti zu melden und beseitigen zu lassen. Thomas Loy

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