East Side Gallery : Senat mauert bei Parkverbot

Der Bezirk will Parkplätze an East Side Gallery streichen. Das Land ist aber gegen die freie Sicht aufs Denkmal.

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Freier Blick. Bezirkspolitiker wollen keine parkenden Autos vor der Gallery. Foto: dpadpa

Es ist das längste Denkmal der Bundesrepublik. Und wer weiß, mit einer Länge von 1,3 Kilometern vielleicht auch ganz Europas. Ein Publikumserfolg ist die East Side Gallery allemal: Fleißige Statistiker zählten im Jahr 2008 mehr als 750 000 Besucher. Und der Bezirk ist davon überzeugt, dass es in diesem Jahr noch viele mehr werden. Denn erstens ist die Freiluftgalerie aufgehübscht worden, so dass die kräftigen Farben auf den erneuerten Kunstwerken geradezu ins Auge springen. Und zweitens ist diese „Location“ für trendige Berlin-Besucher ein Muss, die ohnehin die nahe gelegenen Ausgehviertel in Friedrichshain und Kreuzberg bevölkern.

Zumal mit etwas Fantasie sogar der erhabene Schauder erfahren werden kann, den der „Antifaschistische Schutzwall“ der verblichenen DDR auslöst. Deshalb wünscht sich der Bezirk Kreuzberg-Friedrichshain, dass es an der gerne als Rennbahn missbrauchten Mühlenstraße künftig keine Parkplätze mehr gibt. Allein schon um die Sicherheit der vielen Flaneure zu gewährleisten, „die man kaum auf die Gehwege bekommt“, sagt Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne). Außerdem „verstellen viele kleine Lastwagen auf dem Bürgersteig den Blick auf die Gallery“, sagt Schulz.

Beim Senat sieht man das ganz anders: „Parkverbote gibt es nur, wenn dadurch der Verkehrsfluss verbessert wird“, sagt die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Manuela Damianakis. Auch „wenn sich die Sicherheit der Fußgänger dadurch erhöht“, müssten Autos andere Stellplätze suchen. Das sei an der East Side Gallery nicht der Fall. Ganz im Gegenteil, aus Sicht des Senats wirken die parkenden Autos wie ein „Schutzschild“ für die Touristen. Würde das fehlen, dann sei zu befüchten, „dass die Leute ein paar Schritte auf die Fahrbahn machen, um bessere Fotos zu schießen“ und laufen Gefahr, durch ein Auto erfasst zu werden, so Manuela Damianakis.

Und das sagt die Polizei: „Wegen der East Side Gallery gibt es keine Probleme“, so eine Sprecherin. Eher wegen der Strandbars. Im Sommer seien diese sehr beliebt und so mancher Berliner steuere sie mit dem Auto an.

Bezirksbürgermeister Schulz hat da eine andere Vermutung: Eine Autovermietung nutze die Stellplätze, „außerdem parken viele, die zum Energieforum wollen“, sagt er. Diese wollten sich wohl die paar Euro Gebühr für das Parkhaus am Ostbahnhof sparen, mutmaßt der Bezirksbürgermeister. ball

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