Edgar-Allan-Poe-Musical : Lauter Traumtänzer

Ein Musical über den Schriftsteller Edgar Allan Poe feiert im Admiralspalast die Weltpremiere. Die Komposition von Eric Woolfson verspricht einen poetisch-surrealen Abend für Experten wie für Neuentdecker.

Eva Kalwa
Poe Musical
Komponist Eric Woolfson beschäftigte sich schon beim Alan Parsons Project mit Edgar Allan Poe. -Foto: dpa

„Was sich uns erfüllt, was nicht, ist im Traum ein Traumgesicht“ schrieb Edgar Allan Poe 1849, kurz vor Ende seines nur 40-jährigen, vielbewegten Lebens. Einen Traum hatte auch Eric Woolfson, Mitbegründer des legendären Alan Parsons Project: Seit vielen Jahren will der britische Musiker ein Musical über Leben und Werk des amerikanischen Schriftstellers auf die Bühne bringen. In Berlin geht dieser Wunsch nun in Erfüllung. Pünktlich zum 200. Geburtstag des Dichters feiert „Edgar Allan Poe“ am 27. März Weltpremiere im Admiralspalast.

Poes phantastische Erzählungen, doppelbödige Detektivgeschichten und tiefsinnige Gedichte haben Woolfson seit seiner Jugend geprägt. „Auf meinem Schulweg in Glasgow lag ein Kino, in dem die Verfilmungen von Roger Corman liefen. Die unheimlichen Plakate beeindruckten mich sehr“, erzählt der 63-Jährige. 1976, kurz nachdem Woolfson sich mit seinem Musikerkollegen Alan Parsons zusammengetan hatte, veröffentlichte das Rock-Duo sein erfolgreiches Konzeptalbum „Tales of Mystery and Imagination“. Dafür übersetzen sie einige von Poes berühmtesten Texten, darunter „Der Rabe“ und „Der Untergang des Hauses Usher“, in einer damals innovativen Mischung aus Rock und sinfonischer Musik in einen melancholisch-düsteren Klangkosmos.

2003 brachte Woolfson dann „More Tales…“ heraus, dieses Album und eine einmalige konzertante Aufführung in den Abbey Road Studios im selben Jahr bilden die Grundlage des Musicals. Es soll eine Hommage an Poe werden, eine poetisch-surreale Collage aus Geschichten wie „Das Pendel des Todes“, „Der Rabe“ und „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ und biographischen Fakten aus dem von Verlusten, Entbehrungen und Ausschweifungen geprägten Leben des Dichters. „Das ist das Besondere an Poe: Sein Werk ist fantastisch, doch sein Leben war es wahrscheinlich noch mehr“, sagt Woolfson, der bereits Musicals über Dostojewskis autobiographische Erzählung „Der Spieler“, Sigmund Freud und den katalanischen Architekten Antonio Gaudi auf deutsche Bühnen gebracht hat.

Auch im Poe-Musical wird auf Deutsch gesungen, Woolfson und Regisseur Frank Alva Buecheler ist es wichtig, dass jeder Zuschauer der Handlung ohne Probleme folgen kann: „Es soll ein unterhaltsamer Abend für den Literaturprofessor genauso wie für denjenigen sein, der Poe bisher noch nicht kennt“, sagt Buecheler. Der 51-jährige Regisseur ist auf Werke spezialisiert, die das Abseitige und Unbewusste im Menschen thematisieren. So hat er neben dem Musical „Jekyll & Hyde“, dessen Besuch 2008 Woolfson zur Zusammenarbeit mit Buecheler motivierte, auch schon Ibsen und Hauptmann inszeniert. Seine Arbeitsweise lebt vom Wechselspiel zwischen rasanten Szenen und Passagen des fast völligen Stillstands. Auch Buecheler ist von Poes Gedanken fasziniert: „Wie kann man leben, wie miteinander leben?“ Das Musical wolle keine Antworten geben, sondern Möglichkeiten des Zusammenlebens aufzeigen. Angst, dass dies zu depressiv geraten könnte, habe er nie gehabt. Das verhinderten die mitreißenden Chorszenen und das unterhaltsame Spiel von Andreas Mannkopf, der fünf bis sechs Sprechrollen übernimmt. Am 2. Februar beginnt dessen Probenarbeit. „Herrlich“, sagt der Berliner Schauspieler mit schönster grabestiefer Stimme. „Endlich geht es los.“

27. März bis 19. April; Admiralspalast. 25–79 Euro. Tickets unter Tel. 47 99 74 99.

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