Ehrung : Quadriga für Gorbatschow

Lothar de Maizière ehrt den Friedensnobelpreisträger im Auswärtigen Amt.

Elisabeth Binder
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Foto: Kai-Uwe Heinrich

Im Jahr 20 nach dem Fall der Mauer bekommt Michail Gorbatschow am Tag der Deutschen Einheit die Quadriga verliehen. Lothar de Maizière, der letzter Ministerpräsident der DDR war, wird sie ihm im Weltsaal des Auswärtigen Amtes überreichen. Bereits zum siebten Mal veranstaltet der Verein „Werkstatt Deutschland“ am 3. Oktober diese Nationalgala, diesmal unter dem Motto „Mauern fallen – Brücken bauen“. Gorbatschow erhält den Preis in der Kategorie „Dynamik der Hoffnung“. Unter dem Titel „Klang der Freiheit“ wird außerdem der Musiker Marius Müller-Westernhagen geehrt. Die Laudatio auf ihn hält Astrid Kirchherr, eine frühe Freundin der Beatles.

In der Kategorie „Macht des aufrechten Ganges“ erhalten der frühere tschechische Staatspräsident Vaclav Havel und die DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley eine Quadriga. Jens Reich und György Konrad halten die Lobreden. Auch der Präsident der Europäischen Kommission in Brüssel, José Manuel Barroso, bekommt eine Quadriga. Seine Kategorie heißt „Zusammenwachsen von Europa“ und sein Laudator ist der polnische Premierminister Donald Tusk. Die vierte Quadriga geht an die iranische Frauenkampagne „Eine Million Unterschriften für die Gleichheit von Männern und Frauen“, die sich gegen die Diskriminierung von Frauen im Iran einsetzt. Dem Trend der Krise folgend, ist auch dieser Veranstaltung der Hauptsponsor verloren gegangen. In den vergangenen Jahren hatte sich Vattenfall hier engagiert. Für die Initiatorin Marie-Luise Weinberger vom Verein Werkstatt Deutschland war das kein Grund zum Aufgeben, stattdessen mobilisierte sie den Freundeskreis der Quadriga. Unterstützt wird die Gala von verschiedenen Unternehmen. Insofern werde sich die Quadriga diesmal inhaltlich und optisch neu gestalten. „Wir wollen die universellen Ideen und Werte visualisieren, die den Mythos ’89 ausmachen und auch heute noch Wirkungsmacht entfalten, Freiheit, Zivilcourage, aufrechter Gang und Hoffnung“, erklärte dazu Marie-Luise Weinberger. Honoriert werden sollten gesellschaftspolitische Vorbilder aus Deutschland und Vorbilder für Deutschland, deren Denken und Handeln auf Vision, Mut und Verantwortung baut.

Moderiert wird die Veranstaltung in diesem Jahr erstmals von Astrid Frohloff, die sich damit einer besonderen Herausforderung stellt. In der Vergangenheit hatten Gäste immer mal wieder über die sich endlos ausdehnenden Reden geklagt. Veranstaltungen mit ausufernden Wortbeiträgen gelten nicht mehr als zeitgemäß. Das hat der Attraktivität der Gala wohl auch geschadet. Nun gilt es, den Ruf wiederaufzubauen und durch strenge Stringenz potenziellen Ehrengästen Mut zu machen, den Abend des 3. Oktober bei der Quadriga-Verleihung zu verbringen.

Ihr Kommen zugesagt haben in diesem Jahr als Ehrengäste immerhin der Präsident der Demokratischen Republik Timor-Leste, José Ramos-Horta, der Präsident von Ruanda Paul Kagame, der serbische Präsident Boris Tadic, der ehemalige Direktor der Weltbank Paul Wolfowitz, die Schauspielerin Iris Berben, Wolfgang Putz von Graft-Architekten, Pater Eckhard Höfling, die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi und Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, der wie viele der Genannten in den Vorjahren auch schon mal eine Quadriga bekommen hat. Elisabeth Binder

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