Stadtleben : Eierschale: Neuer Start am alten Ort

Neu in Schale geworfen meldet sich die „Eierschale Dahlem“ an der Podbielskiallee zurück: Am 1. Juni wird sie, in frischen Farben und mit feiner Innenausstattung, nach acht Jahren Pause wieder eröffnet. Die Traditionskneipe – das Wort „Kneipe“ ist eigentlich unpassend –, das legendäre Domizil der Berliner Jazzmusik, soll dann um 16 Uhr mit der New Orleans Sir Gusche Band wieder in Schwung kommen. Abends treten die Teach Toys auf, die gern auch als „die deutschen Beach Boys“ bezeichnet werden. Die musikalische Leitung hat die Metropolitan Concerts Veranstaltungsgesellschaft übernommen, die sich gestern nicht näher äußerte. Das Haus an der Ecke Schorlemerallee wurde lange umgebaut, mit der Wiederöffnung war schon im Mai gerechnet worden. Die Eierschale will sich als Café, Bar, Restaurant und Lounge präsentieren, eine „Oase der Schönheit, Ästhetik und Kreativität“ sein. Nach der Renovierung des einstigen Landhauses Dahlem hat sie die verrauchte Club-Atmosphäre abgestreift.

Die Eierschale, jahrzehntelang eine Institution in Berlin, war Anfang der fünfziger Jahre vom Posaunisten Hans Wolf („Hawe“) Schneider noch als „Kajüte“ in einem Ruinenkeller am Rathaus Schöneberg gegründet worden. Kurz danach zog er Ende Dezember 1954 in den ehemaligen Breitenbachkeller am Breitenbachplatz, nannte das Lokal „Eierschale“. Hier traten Größen wie Count Basie oder George Lewis auf. Noch heute ist Schneider stolz aufs Gästebuch, „randvoll mit Namen von Jazzgrößen, Filmschauspielern, Politikern und Sportlern“.

Nach einem Besitzerwechsel zog die Eierschale 1977 an die Podbielskiallee, kam auch gut an, kämpfte aber in späteren Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Viele Fans hatten nicht mehr auf einen Neuanfang gehofft. Nun steht der Starttermin fest. C. v. L.

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