Stadtleben : Ein bisschen wie Spider Man

Houserunner laufen am 150-Meter-Hotel hinunter

Annette Kögel

In manchen Situationen könnte man die Wände hochgehen. Diesmal funktioniert das in entgegengesetzter Richtung: beim „House Running“, einem Trendsport, den Eventveranstalter Jochen Schweizer jetzt nach Berlin bringt. Am Sonnabend können sich jene, denen danach zumute ist, vom Hotel Park Inn, dem höchsten Haus dieser Stadt, in die Tiefe stürzen. In einem Klettergurt hängend, an zwei Seilen doppelt gesichert, mit der Aussicht auch auf eine Extraportion Adrenalinausstoß.

„Face the fear“ – stell dich der Angst, das ist die Philosophie des Mannes, der das Haushinunterlaufen in der Vertikalen diesen Sommer am Alex an ein, zwei Terminen im Monat regelmäßig anbieten will. Bungeejumper blicken zwar milde lächelnd auf Houserunner herab. Doch auch bei jenen, die sich schon mal am Sheraton Hotel in München oder der Jaunertalbrücke in Kärnten lang ausgestreckt mit dem Blick gen Erde und den Füßen an der Wand wiedergefunden haben, rast der Puls recht ordentlich. Auf dem 150 Meter hohen einstigen Hotel Stadt Berlin startet man vom Podest auf der Dachterrasse. Ingesamt geht es 98 Meter bergab, sagt Caroline John von der Jochen Schweizer GmbH aus München: Helm auf, Arbeitshandschuhe an, in den Gurt schlüpfen – und dann mit Blickrichtung nach unten runterkippen.

Mit Sicht über die Dächer der Stadt bis weit ins Brandenburgische hinein müssen die Häuserläufer ihr Lauftempo an der Fassade auf verspiegeltem Sicherheitsglas selbst bestimmen: Je nachdem, wie schnell man das Seil durch die Hände laufen lässt, geht es ein paar Minuten lang hinab. Einmal vom himmelhohen Podest vornüber gekippt, führt kein Weg zurück, hochziehen geht nicht, sagt Organisator Matthias Neumeier. Dass er noch Schweizer-Auszubildender ist, braucht niemanden zu verunsichern, der Mann weiß, was er tut, und technische TÜV-Überwacher tun ihr Übriges. Wenn man selbst mit der Steuerung trotz kurzer Übungslektion nicht klar kommen und vor Furcht sein Laufseil bewegungslos umklammern sollte, seilen einen die Sicherungsleute von oben ab. Oder sie lassen sich schnell selbst zu einem herab und helfen. Das passiert aber so gut wie nie, schlecht sei auch noch niemandem geworden. Regen störe nicht, aber Gewitter und Sturm.

Jetzt ist es Houserunning, einst war es Bungeejumping, mit dem Funsport-Unternehmer Jochen Schweizer den Berlinern den Atem raubte – 350 Adrenalin-Erlebnisse weltweit bietet er inzwischen. Nach Mauerfall konnte man sich erstmals am Bungee-Seil von einem Kran am Brandenburger Tor ins Nichts stürzen. Ob man so einen Kran von da oben mit bloßem Auge erkennt?Annette Kögel

Sonnabend 10-18 Uhr, 59 Euro. Infos und Tickets: www.jochen-schweizer.de

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