Ein Dach fürs Blech : Technikmuseum kann Flächen erweitern

Wenn man kein Geld hat, braucht man besonders gute Ideen, um seine Pläne zu verwirklichen. Beim Deutschen Technikmuseum an der Trebbiner Straße in Kreuzberg hat man sie.

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Rostschutz. Auch diesen NAG-Oldtimer, um 1920 in Berlin gebaut, könnte Dirk Böndel, Direktor des Technikmuseums, in dessen neuen Ausstellungshallen zeigen. Foto: Thilo Rückeis
Rostschutz. Auch diesen NAG-Oldtimer, um 1920 in Berlin gebaut, könnte Dirk Böndel, Direktor des Technikmuseums, in dessen neuen...

Am Mittwoch wurde der Baufortschritt der neuen Hallen gezeigt, die im Mai 2011 eröffnet werden sollen. Schon als in den neunziger Jahren der Senat einen Ausgabestopp erlassen hatte, finanzierten die Museumsleute ihren Neubau mit Hilfe des ausführenden Bauunternehmens. Als man Pläne zum Bau eines Riesenrades neben dem eigenen Gelände verhindern wollte, zauberte das Museum einen Sponsor aus dem Hut, der versprach, das Geld für den Kauf des begehrten Grundstücks zu überweisen. So weichgeklopft, zahlte am Ende dann doch der Senat. Und als die Pläne zum Ausbau der ehemaligen Verladehallen des Anhalter Bahnhofs am fehlenden Geld zu scheitern drohten, hoben die Museumsleute sofort den Finger, als es ums Verteilen der Mittel aus dem Konjunkturprogramm der Bundesregierung ging. Jetzt wird gebaut.

Denn auch ohne Aussicht auf das Geld zu haben, hatte man im Museum die Ausbaupläne entwickelt. So konnte man schneller als andere zuschlagen. 2,9 Millionen Euro hat das Museum aus dem Sondertopf ergattert; 600 000 Euro kommen von der EU hinzu – und schon entsteht eine neue Ausstellungsfläche für den Bereich Mobilität – in energetisch vorbildlich gedämmten Räumen, was Voraussetzung zum Abgreifen der Konjunkturprogrammmittel ist. Am Mittwoch wurde demonstrativ eine Gaube aufs Dach gesetzt.

Ausgebaut werden zwei von sechs alten Hallen, in denen auf dem Gelände des ehemaligen Anhalter Bahnhofs Güter umgeschlagen worden waren. Ende des Jahres sollen die Arbeiten abgeschlossen sein, im Mai 2011 werde dann eröffnet, kündigte Museumschef Dirk Böndel an, sichtlich erfreut über den neuen Coup.

Noch schwieriger als das Geld zu beschaffen war es aber zu entscheiden, welche Schätze aus den riesigen Depots des Museums auf den neuen Flächen zu sehen sein werden. Projektkoordinator Joseph Hoppe hat auch hier längst die Planung abgeschlossen. Zu sehen sein werden rund 30 Autos, darunter ein sündhaft teurer Mercedes-Oldtimer „Nürburg“, der Ende der 20er Jahre nach einem Entwurf von Ferdinand Porsche in kleiner Serie gebaut worden war. Aber den Besuchern soll nicht nur die Vergangenheit gezeigt werden. Noch so eine Idee des Museums ist es, die Gäste auch in die Zukunft zu führen. So sollen intelligente Leitsysteme für den Straßenverkehr ebenso zu sehen sein wie Antriebe der Zukunft.

Hier schwingt die Hoffnung mit, dass die Industrie sich am weiteren Ausbau beteiligt. Noch ist viel zu tun, bis das geplante „Technoversum“ fertig ist. Die Verwirklichung aller Pläne würde rund 60 Millionen Euro kosten. Auf die nächsten Ideen kann man getrost warten …

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