Stadtleben : Ein Dutzend Sterne für Berlins Spitzenlokale

Am Freitag kommt der neue Michelin-Führer heraus. Und nicht nur Gourmets fragen sich: Wer steigt ab, wer steigt auf? Soviel sei verraten: Berlin steht mit seinen exklusiven Restaurants besser da als Rom oder Madrid.

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Dynamisches Doppel. Sternekoch Time Raue und Ehefrau Marie-Anne. -Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Noch ein Triumph für Tim Raue. Der neue Michelin-Führer, der am Freitag erscheint, zeichnet sein neues, erst im Sommer eröffnetes Restaurant „Ma – Tim Raue“ mit einem Stern aus. Neu auf der Liste ist auch das im Adlon-Komplex benachbarte Restaurant „Gabriele“, in dem Björn Alexander Panek kocht, als dessen kulinarischer Direktor Tim Raue aber auch immer noch firmiert.

Damit ist nach Raues Angaben das Adlon das einzige Hotel der Welt mit drei verschiedenen Restaurants, die alle jeweils einen Stern haben: das „Lorenz Adlon“ mit der klassisch französischen Küche von Thomas Neeser, das „Ma – Tim Raue“ mit der modernen asiatischen Ausprägung und das „Gabriele“ mit der feinen italienischen Küche. Die hier hinzu gewonnen Sterne sind in diesem Jahr die einzigen neuen in Berlin.

Insgesamt blieb die Zahl der Sterne gleich, denn es gingen auch zwei verloren. Koch Bobby Bräuer etwa verließ den „Brandenburger Hof“ kurz vor Redaktionsschluss des Michelin-Führers. „Da fehlte uns die Zeit, das Restaurant nach dem Weggang für die neue Ausgabe noch zu testen“, sagt Juliane Caspar, die Chefredakteurin. Im „Restaurant 44“ des Swissôtel, der alten Wirkungsstätte von Tim Raue, reichte die Zeit zwar zum Testen. Das Restaurant verlor den Stern aber trotzdem.
Wie im vorigen Jahr setzte sich Christian Lohse aus Michelin-Sicht an die Spitze der Berliner Restaurants. Im „Fischers Fritz“ im Hotel Regent erkochte er sich wieder zwei Sterne. Jeweils einen Stern behielten Michael Kempf im „Facil“, Matthias Buchholz im „First Floor“, Thomas Kammeier im „Hugos“, Michael Hoffmann im „Margaux“, Marco Müller im „Rutz“, Kolja Kleeberg im „Vau“. Otto Hendrik konnte den Stern des Restaurants „Vitrum“ halten. In Wolfsburg erkochte sich Sven Elverfeld im „Aqua“ den dritten Stern, und in Leipzig schaffte Peter Maria Schnurr im „Falco“ als erster Koch in den neuen Bundesländern die Zwei-Sterne-Hürde.

Mit zehn Ein-Stern-Restaurants und einem Zwei-Sterne-Koch steht Berlin im europäischen Vergleich glänzend da. Madrid hat sieben Sterne-Restaurants, Rom nur sechs. Und Hamburg hat kein Zwei-Sterne-Haus. München hat dafür mit dem „Tantris“ und neuerdings dem „Dallmayr“ zwei Mal zwei Sterne.

Das ist allerdings eine Latte, die Berlin in einem oder spätestens zwei Jahren locker nehmen könnte. „Die Stadt hat viel Potenzial“, ist Michelin-Chefredakteurin Juliane Caspar überzeugt. Auch wenn sich an der Zahl der Sterne nichts geändert hat, sieht die Zukunft für Gourmets gut aus: „In den letzten Jahren hat sich Berlin sehr viel zum Besseren verändert.“
Verändert hat sich auch der Hype um die Sterne. Dem Selbstverständnis nach will der Michelin lediglich „dem Reisenden Orientierung bieten“, wie Juliane Caspar sagt. Aber in den vergangenen Jahren kam es in der Aufregung um die Auszeichnungen immer wieder vorab zu Indiskretionen und heiß laufenden Telefonen in der Redaktion. „Für viele ist der Stern so eine Art Ritterschlag oder Oscar.“

Die Michelin-Tester kommen allesamt aus der Branche, testen anonym und mehrmals. Bis September kann die jeweils nächste Ausgabe noch aktualisiert werden. Seit 1. Oktober sind die Tester schon wieder für den Guide 2010 unterwegs.
Es gibt also keinen Grund zum Ruhen. Tim Raue sieht nach der großen Freude und Erleichterung, die er zunächst auch empfand, in dem Erfolg dieses Jahres folgerichtig „eine gute Basis für alles, was in den nächsten Jahren noch kommt“.

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