Stadtleben : Ein Fest für alle in Blauweißrot

Agnes Taegener

Die weißen Sternchen auf den Luftballons im US-Flaggenblau strahlen an diesem Sonnabend mit dem Himmel um die Wette. Auch Claudia strahlt in die Kamera ihres Freundes Dirk, während sie sich eine amerikanische Fahne um den Hals drapiert. „Wir wollen in die USA auswandern. Ein schöneres Land, lockerer, freier.“ Dirk nickt.

Vor der Eröffnung des Amerikafestes um 12 Uhr ist der Pariser Platz und auch die ehemalige Fanmeile auf der Straße des 17. Juni bereits voller Menschen. Viele Familien, die Kinder oft mit „Obama ’08“-Lufballons, schlendern übers Pflaster vor dem Brandenburger Tor, als die Check Six US Air Force Jazzband noch ihren Sound-Check macht. Biertische stehen gestaffelt über den ganzen Platz, an den blauweißroten haben es sich viele bei Ranger-Wurst und Texas-Sausage XXL bequem gemacht. Insgesamt ähnelt das Angebot jedoch eher dem einem deutschen Weihnachtsmarktes.

Der Einladung des Veranstalters, des Verbands deutsch-amerikanischer Clubs, sind Besucher aus ganz Deutschland gefolgt, etwa 250 000 Gäste sind es bis zum frühen Abend. Amerika, das ist für viele eine Urlaubsliebe, doch an den Ständen des Veranstalters ist man bemüht, den interkulturellen Austausch voranzutreiben. Bruni Pütz steht hier für den deutsch-amerikanischen Frauenclub Kaiserslautern. Das ist ihr Herzensangelegenheit: „Wir können uns das multikulturelle Miteinander von Amerika abschauen.“

Viele zieht es nahe an den Botschaftseingang. Einige betasten die Poller und rätseln, wie diese in den Boden versenkt werden können. Neugier und Begeisterung sind so groß, dass die beiden Angestellten des Sicherheitsdienstes vor der Panzerglas-Tür der Botschaft als Fotomodelle herhalten müssen. Sie müssen auch das Unverständnis der Besucher ertragen, dass es gerade heute keinen Tag der offenen Tür gibt. Agnes Taegener

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