Stadtleben : Ein guter Freund

Ehrung in Weißblau: Eine Gedenktafel für Evergreen-Komponist Werner Richard Heymann

Thomas Lackmann

Die Originalaufnahmen der bekanntesten Melodien des Komponisten knisterten und gaben der Sommernachmittags-Hommage in Westend ihren besonderen Reiz: „Das gibt's nur einmal“, „Irgendwo auf der Welt“ oder „Ein Freund, ein guter Freund“. Hier am Karolingerplatz 5A, aus diesem Bauhaus-Schmuckstück des Architekten Erich Mendelsohn, war er 1933 ins Exil aufgebrochen: Werner Richard Heymann, gebürtig in Königsberg, zunächst E-Musiker, dann Musikchef der Ufa, Chanson- und Schlagererfinder für Berlins 20er und 30er Jahre, Soundtrackkomponist für 15 Ufa-Operetten und mehr als 50 Hollywood-Filme. „Wir lassen ihn hochleben, da oben im blauen Salon!“, sagte Staatssekretär André Schmitz bei der Gedenktafelenthüllung. Martin Ullrich von der Universität der Künste pries die verschwenderischen Einfälle des Melodienschöpfers, seine Verbindung aus Einfachheit und Raffinesse. Wolfgang Trautwein von der Akademie der Künste, die den Nachlass verwaltet, portraitierte den Heimkehrer, der zwischen Kudammruinen stand und nicht mehr wusste, wo er war. Der in ein Dinkelsbühler Hotelgästebuch als Antwort auf die rassistische Auftakteintragung des Oberantisemiten Julius Streicher seine „Anmerkung zu Seite 1“ hinterließ: „Den gab's nur einmal, der kommt nicht wieder. Doch tausend Streicher spielen meine Lieder.“

Auch Elisabeth Trautwein-Heymann, die Tochter des 1961 in München gestorbenen Komponisten, war zur Feier gekommen. Gemeinsam mit dem Staatssekretär enthüllte sie die ihrem Vater gewidmete, von Universal Music gestiftete weißblaue „Berliner Gedenktafel“, Während „Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück“ vom Geigenschmalz in den Swing kippte. Thomas Lackmann

Im Rahmen seiner Salon-Reihe veranstaltet das Restaurant „Kadima“, Oranienburger Str. 28 in Mitte, am 11. Juni, 19 Uhr, einen Heymann-Abend, mit Tochter Elisabeth und Dagmar Manzel (Gesang). Anmeldung: 8892 17227.

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