Stadtleben : Ein Kaleidoskop der Stadtgeschichte

Es war ein Jammer: Zerschossen und zerschunden thronte die Quadriga nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf ihrem Brandenburger Tor, ein trostloser Anblick. In den späten Fünfzigern aber ging es wieder voran, der Rest wurde von den Ost-Behörden heruntergehoben und zur Reparatur im Westen abgesetzt. Im Spätsommer 1958 kam sie zurück.

„Berlin: A Century of Change – Gesichter des Jahrhunderts“ heißt ein von Neal Ascherson zweisprachig betexteter Bildband, den der Prestel-Verlag herausgebracht hat, in Zusammenarbeit mit der Fotoagentur akg-images. Es ist ein spannendes, auch historisch versierte Betrachter immer wieder überraschendes Buch, das ein facettenreiches Porträt der Stadt mit all den Wechselfällen ihrer Geschichte im 20. Jahrhundert bietet. Szenen, die jeder kennt, sind ebenso darunter wie Blicke in unbekannte Winkel.

Nur bei den Bildbeschreibungen hätte man sich mitunter mehr Sorgfalt gewünscht. Der Tunnel, den Amerikaner und Briten in den Fünfzigern von Rudow aus gen Osten gruben, diente keineswegs als „Flucht- und Spionagetunnel“, sondern nur zum Anzapfen sowjetischer Telefonleitungen. Eine angebliche „Filmkamera“, die ein Berliner 1945 gegen Zigaretten tauscht, ist erkennbar ein Fotoapparat. Und dass Wolf Vostells Skulptur der „Beton-Cadillacs“ auf dem Rathenauplatz, Teil des Skulpturenboulevards zur 750-Jahr-Feier, „in der Öffentlichkeit umstritten“ sei, kann man ebenfalls nicht mehr sagen: Der Streit endete vor ungefähr 20 Jahren. Dennoch: ein sehr schönes Fotobuch über die jüngere Geschichte Berlins. ac

— Berlin – A Century of Change. Gesichter des Jahrhunderts. Prestel Verlag, München, mit akg-images. 128 Seiten, 110 farbige und 240 schwarzweiße Abbildungen, 19,95 Euro.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben