Stadtleben : Ein Kinderspiel

Die Teeniekomödie „Superbad“ ist in den USA ein Kassenschlager Gestern stellten die Hauptdarsteller ihren Film in Berlin vor

Sebastian Leber

Darf man sein Auto einfach auf dem Lehrerparkplatz abstellen? Wie viel Wodka kann einer ungestraft in sich reinschütten? Ist es pervers, wenn man Pornos mag – oder ist es pervers, wenn man keine mag? Derart lebenswichtige Fragen beschäftigen die drei Hauptfiguren der Teeniekomödie „Superbad“, die es in diesem Sommer unerwartet auf Platz 1 der US-Kinocharts geschafft hat. 103 Millionen Dollar spielte der Film bisher ein – und „aus einem Niemand wie mir hat ,Superbad‘ einen extrem bekannten Menschen gemacht“, sagt Christopher Mintz-Plasse. Der Hauptdarsteller ist mit seinen Kollegen Michael Cera und Jonah Hill nach Berlin ins Ritz-Carlton gekommen, um Werbung zu machen: In drei Wochen läuft der Film in den deutschen Kinos an.

„Das schwierigste beim Drehen war, nüchtern einen Betrunkenen zu spielen“, sagt Michael Cera. Dazu hatte er viel Gelegenheit. Die drei mimen spätpubertierende Highschool-Freunde, die kurz vorm Wechsel aufs College endlich Erfolg bei Frauen haben möchten. Wie bei Highschool-Teenieklamotten unausweichlich, geraten sie dabei ständig in neue hochpeinliche Situationen. Als Zuschauer schämt man sich fast ununterbrochen für die Protagonisten: mal, weil sie sich mit ungeschickten Sprüchen vor Mädchen blamieren, mal, weil sie es mit dem Alkohol übertreiben. Oft genug ertappt man sich auch dabei, dass man sich für sich selbst schämt, dass man sich so etwas Kindisches ansieht und auch noch lacht.

„Superbad“ wird in den USA als die sehenswerteste Teeniekomödie seit „American Pie“ gehandelt – und tatsächlich ist der Film für sein Genre recht abwechslungsreich geraten. Trotzdem gibt es keine Fortsetzung, sagt Michael Cera. „So was geht doch immer schief, das hat man bei ,American Pie’ gesehen.“

Ein bisschen Zeit bleibt den Darstellern, sich während ihres Kurzaufenthalts in der Stadt umzusehen. Für Jonah Hill ist es bereits der zweite Berlin-Besuch. Gleich nach der Landung hat er sich allein in ein Taxi gesetzt und ist nach Prenzlauer Berg gefahren, um dort Fotos zu machen. „Ich liebe die Kastanienallee.“ Die sei so lebendig und erinnere ihn an Brooklyn. Nach den Interviews im Hotel geht es abends ins Borchardt. Und dann in das Cubix am Alexanderplatz, dort zeigen sie „Superbad“ vor geladenen Gästen. In Amerika durften Minderjährige den Film nur in Begleitung eines Erwachsenen sehen, wegen der 186 Stellen, in denen jemand „Fuck“ sagt. „Das sind vier mehr als in ,Scarface’ mit Al Pacino“, grinst Christopher Mintz-Plasse. Und der sei ja zudem noch deutlich länger. Sebastian Leber

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