Stadtleben : Ein Mammut kommt selten allein

Keine Angst vor großen Tieren: Roland Emmerich stellte seinen Film „10.000 BC“ vor, der heute in Berlin Weltpremiere feiert

Andreas Conrad

Was für sagenhafte Gestalten hat man nicht schon bestaunen dürfen unterm Sony-Zelt. Spider-Man krabbelte die Fassade hoch, Wolfgang Petersen parkte hier wochenlang sein Trojanisches Pferd, und jetzt treibt sich an diesem glamourösen Ort sogar eine Miniherde Mammuts herum. Aber wenn am Potsdamer Platz, so wie heute Abend, die Weltpremiere eines mutmaßlichen Hollywood-Blockbusters startet, rollt man nicht einfach nur den roten Teppich aus, sondern lässt darauf zeitgemäß eine Handvoll Urviecher grasen. Schließlich spielt der Film 10 000 Jahre vor Christus und heißt auch so.

„Ich bin der Roland.“ Regisseur Roland Emmerich macht um sich nicht viel Wirbel, nicht auf dem Set, wo er noch im größten Trubel die Gelassenheit selbst ist, wie sein Hauptdarsteller Steven Strait später rühmen wird. Und erst recht nicht an diesem Montagnachmittag im Regent-Hotel am Gendarmenmarkt, wo er seinen persönlichen Interviewmarathon eröffnet. Die 140 Millionen Dollar, die „10.000 BC“ gekostet haben soll, müssen ja wieder reinkommen.

Vor 12 000 Jahren, da herrschte tiefste Steinzeit, in Emmerichs Kosmos aber nicht nur das. Da rannten zwar die Menschen fellbehangen mit den Mammuts um die Wette, blickten dem Säbelzahntiger ins grimmige Auge oder dienten gar riesigen Laufvögeln als Frühstück. Noch größere Gefahren aber drohten von Vertretern der eigenen Spezies, zumal wenn sie bereits auf höherer Kulturstufe angelangt waren, mit Metallwerkzeugen die ersten Pyramiden hochzogen und dafür natürlich jede Menge billiger Arbeitssklaven brauchten. Aber nicht mit D’Leh, dem Jäger mit dem Weißen Speer, und schon gar nicht, wenn man ihm die schöne Evolet geraubt hat.

D’Leh und Evolet, das sind Steven Strait und Camilla Belle, zwei kaum bekannte Jungmimen, denen die heutige Premiere vielleicht zum Start in eine ganz große Karriere wird. Emmerich hat sich bewusst für die No-Names entschieden. Dass einer wie Jake Gyllenhall durch seinen Fantasie-Urwald springt, konnte er sich nicht vorstellen, und das Studio hat das geschluckt: „Der Film ist der Star.“ Oder genauer noch: „Die Mammuts, die Laufvögel, der Tiger.“ An denen vor allem lag es, dass der Film, der in zehn, fünfzehn Jahren herangereift ist, so lange warten musste. Die Computer waren noch nicht so weit, um Tiere mit Zottelfell überzeugend schaffen zu können.

„10.000 BC“ – das war für Emmerich „eine lange Reise im Kopf“, zusammengesetzt aus vielen Elementen. Am Anfang stand eine Dokumentation über Mammuts in Amerika, später kam ein Buch hinzu, dessen Autor die These vertrat, die Pyramiden seien nicht unter den Pharaonen gebaut worden, sondern älter. Mit dem Drehbuch haben er und sein Co-Autor und Executive Producer Harald Kloser vor fünf Jahren begonnen.

Natürlich kennt Emmerich andere berühmte Urzeit-Filme, die Eingangsszenen aus Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltraum“ etwa. Deren Hintergrundbilder entstanden nahe dem Berg Spitzkoppe in Namibia, wo auch die Wüstenszenen für „10.000 BC“ gedreht wurden. Und natürlich überrascht den Regisseur auch nicht die Frage nach Jean-Jaques Annauds „Am Anfang war das Feuer“ von 1981, für ihn „ein unglaublich guter Film“, der ihn sehr fasziniert hat, obwohl er mit seinem Film ein ganz anderes Konzept verfolgte. Denn er wollte ja „keine bestimmte Zeit“ zeigen, sondern er wählte – trotz des scheinbar präzisen Titels – einen Zeitraum von 6000 bis 7000 Jahren, aus dem er Elemente in einem Film versammelte.

Die Eingangsworte des Off-Erzählers, gesprochen von Omar Sharif, stellen demnach, so gesteht Emmerich gerne zu, eine Art theoretischen Überbau seines Films dar: Es gebe Wahrheiten und Legenden, doch im Gegensatz zu den Wahrheiten, die im Laufe der Zeit oft verloren gehen, blieben die Legenden erhalten. So sieht auch Emmerich seine Arbeit. „Ich glaube, du kannst in einem Film eine Realität schaffen, die nicht die Wirklichkeit ist – die Filmrealität. Das ist wie bei ,Herr der Ringe’. Für dich existiert Mittelerde, weil es dargestellt wird. Genauso existiert für dich Conan oder irgendeine andere Welt. Und daher habe ich eben gedacht, ich mache meine eigene Welt.“

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