Stadtleben : Ein Russe zum Rundlachen

Der preisgekrönte Clown Slava kommt in den Admiralspalast. Seine Zuschauer animiert er zum Spielen

Heidemarie Mazuhn

Am Anfang ist scheinbar alles schon zu Ende. In übergroßen roten Puschen und einem quietschgelben Overall ist der Mann mit der Clownsnase unter dem schütteren Albert-Einstein-Haarkranz auf die Bühne geschlurft – in der Hand einen Strick, den er sich jetzt um den Hals legt. Zögerlich und mit trauriger Miene, sichtlich aber auch irgendwie neugierig darauf, was wohl passiert. Es passiert nichts – am Ende des Stricks hängt ein weiterer Clown in der Schlinge. Gemeinsam hangeln sie sich zurück ins Leben – zum Glück des erleichterten Publikums, denn das darf nun mit auf eine poetische Reise in das fantastische Traumland von „Slava’s Snowshow“ gehen.

Am 16. Januar hat das bereits in 25 Ländern von mehr als einer Million Zuschauern gefeierte Theaterereignis im Admiralspalast seine Berlin-Premiere. Wjatscheslaw Iwanowitsch Polunin, wie der gelb gewandete Clown Slava bürgerlich heißt, ist gespannt auf das hiesige Publikum.

Wie es wohl reagiert auf „Slava’s Snowshow“, für die der Mann, der weltweit als der berühmteste Clown-Visionär gilt, schon viele Ehrungen erhielt? Zum Beispiel 1998 in London den Laurence Olivier Award in der Kategorie „Best Entertainment“, 2005 in New York den Drama Desk Award in der Kategorie „Herausragendes einzigartiges Theaterereignis“ oder 2001 in Moskau den Stanislawski-Preis. Werden auch die Berliner dem Mann zujubeln, der vor 57 Jahren in einem abgeschiedenen russischen Städtchen geboren wurde, wo er eine fantasievolle Kindheit zwischen Wäldern, Feldern und einem Fluss verbrachte? Von dort brach er mit 17 nach Leningrad auf. Eigentlich, um Ingenieur zu werden. Stattdessen machte Slava aus seiner kindlich bewahrten Lust, fantasievolle Geschichten zu erfinden und wiederzugeben, eine clowneske Berufung, die schon 1999 in Moskau als „Herausragendes künstlerisches Lebenswerk“ ausgezeichnet wurde.

„Plötzlich ist das Publikum wieder jung, unschuldig und verzückt vor so viel Wonne“, schrieb die „Daily Mail“ über „Slava’s Snowshow“. „Es raubt einem den Verstand“, befand der „London Daily Telegraph“ über das aufwühlende Bühnenereignis, das „das gesamte Publikum in einer Seifenblase aus purem Entzücken aufspringen ließ“. So wie jüngst im Theatre Royal im britischen Seebad Brighton. Ein gewaltiger papierener Schneesturm brauste dort im furiosen Finale über das Publikum im Parkett hinweg bis hoch zu den steilen Rängen. Zuvor hatten schon andere Naturgewalten die Zuschauer jeden Alters lustvoll gefangen gehalten – so ein riesiges Spinnennetz, das der Gelbe und seine in langen grünen Armeemänteln skurril gewandeten und propellerhaft behüteten Kollegen über sie auswarf. Immer wieder hatte die Clownsbrigade unter Slava an diesem Abend die Briten zum Lachen, Staunen und Träumen gebracht. Zuguterletzt nun der Schneesturm, der die Zuschauer im Theatre Royal in weißbeschneite Wesen verwandelte. Plötzlich hörte dessen Toben auf, statt Schnee schwebten nun mehrere Meter hohe bunte Bälle in den Zuschauerraum. In dem erfüllte sich in Brighton dann das wahre Wunder von „Slava’s Snowshow“. Das Publikum verwandelte sich in Kinder, die sich fröhlich die gigantischen Bälle zuwarfen. Alte Damen schaufelten begeistert den knöchelhohen „Schnee“ vom Boden und lieferten sich mit ihren Sitznachbarn juchzend eine Schneeballschlacht. Andere Besucher verrenkten sich lebensgefährlich über ihren Logenrand hinaus, um die schwebenden Kugeln weiterzuleiten, die da scheinbar auf sie zudrängten. Nur einer im Parkett saß still da und schaute zu: Slava, der Clown, der sein Publikum für einen Abend in das Paradies der Kindheit voller Poesie und Träume zurückgeführt hatte.

Slava tritt vom 16. bis 27. Januar im Admiralspalast auf. Es gibt noch Karten in der Preisklasse zwischen 21 und 63 Euro. Mehr Informationen gibt es telefonisch unter der Nummer 479 99 74 99 oder im Internet: www.admiralspalast.de.

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