Stadtleben : Eine Gräfin für Jedermann

„Habgier ist die Mutter aller Übel“, befand Manfred Weigert den „Jedermann“ passend zur aktuellen Finanzkrise. Hugo von Hofmannsthals Stück vom Sterben des reichen Mannes, der am Ende seines Lebens seine Habgier bereut und durch den wiedergewonnenen Glauben an höhere Werte gerettet wird, kennt der Orthopäde und ehemalige Arzt der Fußballklubs 1860 München und Hertha BSC in- und auswendig. Hatte er doch mit seiner Ehefrau, der Schauspielerin Brigitte Grothum, einst die Idee zu den „Jedermann“- Festspielen, deren 22. Fortsetzung am Donnerstagabend im Berliner Dom Premiere hat. Als Produzentin, Regisseurin und Darstellerin des „Glaubens“ hat Brigitte Grothum dreifach Anlass für Lampenfieber – Mühe hat sie auch diesmal für ihren „Jedermann“ nicht gescheut. Den verkörpert Winfried Glatzeder – vielen noch als Held aus dem 1973 gedrehten Defa- Kultfilm „Die Legende von Paul und Paula“ unvergessen in Erinnerung. Dem inzwischen 63-jährigen Mimen rückt im Berliner Dom eine attraktive TV-Schauspielerin als „Buhlschaft“ auf den Leib, die durch ihre Heirat bunte Schlagzeilen machte. Aus Mariella Ahrens wurde 2007 dank Ehemann Patrick aus der Bleistiftdynastie eine Gräfin von Faber-Castell. Für ihren ersten Bühnenauftritt nach zwölf Jahren scheute die 1969 im damaligen Leningrad geborene Tochter eines deutschen Computerspezialisten und einer bulgarischen Augenärztin als „Buhlschaft“ keinen Aufwand. In einem feuerroten Traum, über dem die um 60 Zentimeter verlängerte Haarpracht wallt, umgarnt sie den „Jedermann“– die Robe aus Seide und Tüll entwarf der Designer Furne Orné, der dazu eigens aus Dubai in die gräfliche Villa im Grunewald anreiste. Ob es sich lohnte, kann jedermann bis zum 26. Oktober begutachten. Tickettelefon: 312 7041. hema

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