Eine Party, die verbindet : Ost trifft West im Gleimtunnel

Jedes Jahr am 2. Oktober wird im Gleimtunnel die Einheit gefeiert: Electro-DJs bespielen die Unterführung zwischen Gesundbrunnen und Prenzlauer Berg. Damit könnte es bald vorbei sein.

Nora Tschepe-Wiesinger
Gut getunnelt. Wibke Bierwald hat 2007 mit 150 Partygästen begonnen. Heute erwartet sie bis zu 800 Feierlustige zwischen den historischen Säulen des Gleimtunnels, der Prenzlauer Berg mit Gesundbrunnen verbindet. Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Gut getunnelt. Wibke Bierwald hat 2007 mit 150 Partygästen begonnen. Heute erwartet sie bis zu 800 Feierlustige zwischen den...Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Die Dixi-Klos sind schon da. Zwei blaue Toilettenkabinen stehen vor der Tunnelunterführung in Prenzlauer Berg am östlichen Ende des Mauerparks. Bisher sind sie allerdings das einzige Indiz dafür, dass in dem Tunnel davor bald hunderte Menschen tanzend gemeinsam die Einheit feiern werden. Es gibt kaum einen Ort, der sich dafür besser eignen würde als der Gleimtunnel.

Seit 2007 treffen sich am 2. Oktober feierlustige Berlinerinnen und Berliner und Touristen zur Party im Tunnel, der Prenzlauer Berg und Gesundbrunnen miteinander verbindet – zwei Ortsteile, die auch hier direkt an der Grenze unterschiedlicher kaum sein könnten. Das Brunnenviertel auf der Westseite des Tunnels fällt vor allem durch die grauen Siebzigerjahre-Neubauten auf, wer Cafés oder Läden sucht, muss auf die östliche Tunnelseite ins Gleimviertel fahren. Hier findet man das typische Prenzlauer Berg mit sanierten Altbauten und Ausgehviertel, dazwischen der Mauerpark.

„Wir wollen, dass sich die Weddinger und Prenzelberger durch die Party näherkommen“, sagt Wibke Bierwald, Initiatorin der Gleimtunnelparty. Die 40-Jährige ist von Beginn an dabei, als 150 Leute nur auf dem Geh- und Radfahrweg des Tunnels feierten. Seit der Beantragung einer Straßensperre im Jahr 2009 stieg die Zahl der Partygäste kontinuierlich, am heutigen Mittwoch erwartet sie bis zu 800 Tanzwütige. „Das Ding wird immer größer“, sagt Bierwald und strahlt. Sie erzählt von dem Glücksgefühl, das sie jedes Jahr überkommt, wenn alle zusammen den türkischen Volkstanz Halay auf der Straße tanzen. Das hat noch einen Vorteil. „Wenn hunderte Leute zusammen tanzen, wirds warm“, sagt Bierwald.

Gleimtunnel-Party Foto: Promo
Party im GleimtunnelFoto: Promo

Migrationshintergrund der DJs ist wichtig

Drei Berliner Nachwuchs-DJs sollen den Besuchern dazu mit Electro- und Oriental Beats einheizen. Der türkischstämmige DJ Pasha aus Neukölln, DJane Grace Kelly aus Brasilien und Schlagzeuger Sebastian Arnold werden am Mittwochabend auflegen. Der Migrationshintergrund der DJs sei wichtig, damit sich die Partybesucher mit ihnen identifizieren können, sagt Bierwald. Viele der Anwohner des Brunnenviertels seien türkischer Abstammung. Bei der Tunnelparty am Mittwoch sei es allerdings vollkommen egal, wo man herkommt – das betont Bierwald immer wieder.

Zu Mauerzeiten war der Tunnel unpassierbar, der östliche Ausgang versperrt durch die Mauer. Erst 1990 wurde der Tunnel wieder geöffnet – zunächst nur für Fußgänger, drei Jahre später fuhren auch Autos wieder hindurch. „Dadurch, dass der Tunnel im Grenzgebiet der ehemaligen DDR lag und so viele Jahre unpassierbar war, sind die Säulen noch supergut erhalten“, sagt Bierwald und deutet auf die gusseisernen Hartungschen Säulen hinter sich. Dazwischen, in der Mitte des Tunnels, wird heute Abend eine Bühne stehen, die Leitplanke zur Straße hin dient als natürlicher Sicherheitsschutz. Denn bei Tunnel denken seit 2010 viele auch gleich: Duisburg, die Eskalation der Loveparade. Bierwald beruhigt: Der Gleimtunnel sei breit genug und die Besucher könnten sich auf den 130 Metern der Unterführung und auf den Flächen vor dem Tunnel gut verteilen.

"In den Gleimtunnel verliebt man sich erst auf den zweiten Blick"

Noch wirkt die dunkle Unterführung wenig einladend, Spinnweben hängen zwischen den Laternen, die Wände sind graffitiverschmiert. „In den Gleimtunnel verliebt man sich erst auf den zweiten Blick“, sagt Wibke Bierwald, „dann aber so richtig.“ So sei das auch bei ihr gewesen, damals 2007.

Wie lange ihre Liebe noch erwidert wird, ist allerdings unsicher. Die Tunnelparty am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit wird durch die Europäische Union, die Bundesrepublik Deutschland und das Land Berlin im Rahmen des Programms „Zukunftsinitiative Stadtteil“ gefördert – diese Gelder laufen allerdings im nächsten Jahr aus. Dann muss sich Wibke Bierwald neue Sponsoren suchen. Außerdem soll das Mauerparkareal nördlich der Gleimstraße, zu der auch ein Teil des Tunnels gehört bis 2015 bebaut werden, ob die Party dann weiterhin dort stattfinden darf, ist unsicher.

„Wir schmieden schon einen Plan B“, sagt Bierwald. Wie der aussieht? Die Party in den Mauerpark verlegen – und gleich ein Festival daraus machen. Klingt nach einer reizvollen Alternative, Wibke Bierwald würde trotzdem lieber im Tunnel bleiben.

Die 7. Gleimtunnel Party findet am 2. Oktober von 20 bis 24 Uhr im Gleimtunnel hinter dem Mauerpark statt. Der Eintritt ist frei.

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