Eisbär Knut : Warum braucht Knut eine Gefährtin?

Das Interesse an Zoostar Knut nimmt in aller Welt kein Ende. Aber warum braucht so ein Einzelgänger eigentlich ein Gegenüber?

Annette Kögel
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Neugierig. Knut, Berliner, war schon immer sehr kontaktfreudig. -Foto: dpa

Der Chef des Nürnberger Tiergartens, Dag Encke, hat sich mal folgendermaßen über die Eigendynamik des öffentlichen Interesses amüsiert – und meinte damit den Wirbel um die kleine Eisbärin Flocke, wie Knut von Tierpflegern aufgezogen: „Der Schiss eines Eisbären hat mehr Wind in die Nachrichtenkanäle gebracht als mancher Wirbelsturm.“ Was, bitte, lösen dann Nachrichten rund um Knut aus?

Ein stürmisches Echo, so heißt es jedenfalls bei der Nachrichtenagentur dpa. Die Meldungen darüber, dass der Zooweltstar Knut wohl bald das erste Mal, wenn auch nur vorübergehend, eine leibhaftige Artgenossin zur Gesellschaft bekommt, hat sich international bestens verkauft. Selbst die Schweiz druckte die News, und die Eidgenossen nehmen nicht alles.

Der Knut-Hype kennt kein Ende, Tiergeschichten bewegen die Berliner, auch „wenn das mitunter pathologische Züge annimmt“, wie Werner Philipp, Zookenner und ehemaliger Tagesspiegel-Redakteur, mal sagte. Für ihn steht „hinter dem Phänomen Knut/Thomas Dörflein letztlich die Sehnsucht nach heiler Welt“.

Bernhard Blaszkiewitz, Vorstand des artenreichsten Zoos der Welt, hält nichts vom Popstarphänomen. Klaus Wowereit wusste es schnell für die Stadt zu nutzen. Der Bärenboom hat die mit drei Millionen Euro aus dem Landeshaushalt jährlich bezuschusste Zoo AG nun 430 000 Euro Knut-Ablösezahlung an den Tierpark Neumünster gekostet. Eisbären im Zoo sind sonst vielleicht 15 000 Euro wert. Der Bär hat dem Zoo zunächst Millionen Mehreinnahmen beschert, er wird ihn aber nun mit Millionen-Investitionen fürs neue Knutgehege belasten. Traditionalist Blaszkiewitz wollte jetzt bitte nicht schon wieder einen Rummel um den Ursus maritimus – und mit München in aller Ruhe über Bärin Gianna und Co. verhandeln.

Doch die Leute lieben ihren Knut und wollen nur sein Bestes, und das ist Eisbären-Expertin Gail Herdberg vom Zoo San Francisco zufolge Beschäftigung. In freier Natur ist der Eisbär das gefährlichste Raubtier der Welt mit kilometergroßen Jagdrevieren. Eisbärmännchen leben dort als Einzelgänger, damit sie genug Futter finden. Im Zoo ist Knuts Vatertier Lars mit drei Weibchen auf der Anlage, damit die Tiere in der Zooeinöde keine Verhaltensauffälligkeiten entwickeln. Spielfreude ohne Ende hatten die vier Bären neulich ausnahmsweise, als ihnen alles Mögliche ins Gehege geworfen wurde – zur Ablenkung, nachdem eine Verwirrte ins Gehege gesprungen war.

Knut zeigt keine Auffälligkeiten. Als er anfing, monoton „zu laufen“, gab Dörflein ihm immer schnell etwas zur Ablenkung. In Nürnberg trauten sich die Pfleger nicht so lange an Flocke heran. Sie zeigte trotz ihres Jungbärgefährten Rasputin wiederkehrende Bewegungsmuster, beide mussten in ein neues, wieder aufregendes Gehege verlegt werden. Der Nürnberger Tiergarten machte wiederum Schlagzeilen, weil von Karlsruhe entliehene Eisbären erschossen werden mussten: Ein Unbekannter hatte sie freigelassen.

In München lieben Publikum und Presse Knuts Künftige, weil sie so vorwitzig ist: Gianna benutzt als Erste seit Jahrzehnten die Wasserrutsche im kahlen Betongehege. Die Münchner wollen sie zurückhaben. Und die Berliner werden, sofern sich die Tiere verstehen, nach neuen kleinen Knuts schreien. Annette Kögel

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