Stadtleben : Elektrisiert vom Techno

Der Tresor wird heute im früheren Kraftwerk Mitte wiedereröffnet Club-Betreiber Dimitri Hegemann plant dort zudem eine Kunsthalle

Nana Heymann

Dimitri Hegemann ist jetzt Raumforscher, nicht mehr nur Clubbetreiber. Darauf legt er Wert. Denn wenn heute Abend im ehemaligen Kraftwerk an der Köpenicker Straße 73 in Mitte der legendäre Technoclub Tresor wiedereröffnet wird, ist das lediglich ein Teil von Hegemanns Vision. Er will sich künftig als Förderer zeitgenössischer Kunst profilieren.

Hegemanns Stimme klingt zuversichtlich, als er am Mittwoch vor der versammelten Presse verkündet: „Der Tresor wird seine Arbeit wieder aufnehmen.“ Im Sommer 2005 musste er schließen, weil der Mietvertrag im ehemaligen Wertheim-Gebäude an der Leipziger Straße nach 14 Jahren nicht mehr verlängert wurde. Zur Eröffnung heute Abend im Keller des Kraftwerks hat sich DJ Sven Väth angesagt. Für den Eröffnungsmarathon bis einschließlich Sonntag werden mehrere tausend Besucher erwartet. Denen könnte nur noch die Bauaufsicht einen Strich durch die Partyrechnung machen: Heute Nachmittag will sie letzte Umbauten begutachten. „Die Abnahme wird hoffentlich erfolgen“, sagt eine Sprecherin des Partymachers. „Dass der letzte Akku-Bohrer noch an ist, bevor die Tür aufgeht, gehört doch dazu.“

Zum Tresor gehört seit jeher auch der Globus, eine Art Club im Club, in dem beispielsweise Hip-Hop oder Dancehall gespielt wird. Der befindet sich nun im Erdgeschoss, im ehemaligen Batterieraum. Über schmale Treppen und dunkle Gänge gelangt man vom Tresor aus dahin. Von der „Plus 4 Bar“ im ersten Stockwerk hat man einen guten Ausblick auf den Rest des Gebäudes. Dort kann man auf einem Balkon stehen und eine Ahnung davon bekommen, was Hegemann meint, wenn er von einer „magischen Kathedrale“ spricht. Rauer Beton und riesige Stahlstreben fügen sich zu einer weitläufigen Kulisse mit sprödem Charme.

Das Kraftwerk bietet knapp 23 000 Quadratmeter Nutzungsfläche, der Tresor nimmt davon gerade mal zehn Prozent ein. In dem Rest der riesigen Halle soll ein „Raum für benachbarte Ausdrucksformen der Electronic Arts“ entstehen, so nennt es Dimitri Hegemann. Der offizielle Name des Gebäudes lautet dann „Modem – Space For Contemporary Music And Arts“. Es soll nach und nach in Betrieb genommen werden. Das hängt davon ab, wann die Bauarbeiten in den verschiedenen Stockwerken beendet sind. Gut eine Million Euro kosten die Sicherungsabdeckungen, Geländer und behindertengerechte Toiletten. Wichtig war Hegemann, dass „der Charakter der Ruine in der angestrichenen Welt erhalten bleibt.“

Geplant sind im Modem Ausstellungen, Konzerte, Installationen. Die erste Veranstaltung soll am 9. September stattfinden. Dann will Christoph Hagel die Strawinski-Oper „Oedipus Rex“ aufführen. Zudem soll das Redux Orchestra unter der Leitung von Ari Benjamin Meyers im Modem ein Zuhause finden. Meyers, ein Grenzgänger zwischen klassischer und zeitgenössischer Musik, freut sich über die Möglichkeiten, die ihm der offene und lebendige Raum bietet. Er stellt sich das Modem als „Ort des ekstatischen Zuhörens“ vor. Mit „Megastructure Reloaded“ gibt es im kommenden April eine riesige Raum- und Soundinstallation.

Nun geht es aber erst mal ans Feiern. Der Tresor wird künftig freitags bis sonntags und mittwochs geöffnet sein. Wie schon am alten Standort sollen hier die internationalen Stars der DJ-Szene spielen. Morgen gibt es etwa ein Wiedersehen mit Techno-Legende Blake Baxter – fast so, als habe es die Pause nicht gegeben.

Eröffnung des Tresors heute Abend ab 24 Uhr, Köpenicker Straße 73, Mitte.

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