Elton John : Ein Mann sieht rot

Elton John kommt mit der Show "The Red Piano" nach Berlin. Diesmal plant er einen Auftritt in der O2-World.

Andreas Conrad
Elton John
Mann am Klavier. Elton John will im Dezember in Berlin auftreten. -Foto: dpa

Es bedarf schon einiger Fantasie, um sich die neue O2-World an der Spree als Colosseum vorzustellen. Weder ähnelt sie der Arena im alten Rom noch deren Kopie in Las Vegas, wo ein Bauwerk dieses Namens dem Casino „Cesars Palace“ als Show-Theater dient. Und doch gibt es für den Berliner Veranstaltungsort geradezu cäsarenhafte Pläne: Am 11. Dezember soll dort ein Künstler gastieren, der im Colosseum der Nevada-Wüstenstadt mit seinen über 4000 Sitzen zum Stammpersonal gehört und dort seit Jahren für ein ausverkauftes Haus sorgt: Elton John mit seiner Show „The Red Piano“.

Man will es also noch einmal versuchen, den Glanz der Spielermetropole für einen Abend nach Berlin zu holen, das zwar auch ein Casino besitzt, aber von vergleichsweise plebejischen Dimensionen. Bereits am 22. Juni vergangenen Jahres war das Konzert mit dem roten Flügel auf dem Pariser Platz geplant, mit dem Brandenburger Tor als fürstlicher Kulisse. Dort war Elton John schon 1994 aufgetreten, bei einem von VW gesponserten Rockfestival. Es traten dann allerdings, so ließ der damalige Veranstalter wissen, „schwerwiegende Differenzen“ mit dem Künstlermanagement auf, die eine „zeitgerechte, sichere und erfolgreiche Umsetzung“ der Tour gefährdet hätten. Das Berliner Konzert wurde daher einen Monat vorher abgesagt, ebenso erging es den Terminen in Sevilla, Paris, Moskau und Venedig.

In der Branche neigte man allerdings eher zu der Meinung, der eigentliche Grund sei der schleppende Vorverkauf gewesen. Das war angesichts der Ticketpreise nicht weiter verwunderlich: Der preiswerteste Platz sollte 170 Euro kosten, die teuersten der knapp 10 000 Karten, inklusive Vier-Gänge-Menü, waren für 2300 Euro zu haben.

Der Vorverkauf zum Dezember-Auftritt beginnt am Freitag, doch sei die exakte Preiskalkulation, so hieß es gestern beim lokalen Veranstalter Semmel Concerts, noch nicht abgeschlossen. Die Preisspanne werde aber deutlich unter der des Vorjahres liegen, die teuersten Tickets etwa so viel, möglicherweise noch etwas weniger kosten als die preiswertesten für das gestrichene Konzert vor dem Brandenburger Tor. Der Berliner Auftritt ist der letzte in Deutschland, nach München, Hamburg und Köln.

Im Vorjahr hatte es Elton John mit der Show immerhin in die Londoner O2-Arena geschafft, im Cesars Palace ist er damit seit 2004 fast 200 Mal aufgetreten. Ersonnen hat er sie mit dem Fotografen David LaChapelle, der zu jedem Song einen darauf abgestimmten Film produzierte und weitere Zutaten wie riesige Ballonkonstruktionen entwickelte.

Familientauglich ist das Programm nur eingeschränkt, jedenfalls nach amerikanischen Moralvorstellungen. Das Casino in Las Vegas weist auf seiner Website vorsorglich darauf hin, dass es für ein erwachsenes Publikum konzipiert sei, die Videos zu den Songs könnten teilweise als „schlüpfrig“ angesehen werden und enthielten Szenen „kurzer frontaler Nacktheit“. Das zur Reklame für die deutschen Konzerte versandte PR-Material zeigt aber in einem Trailer nicht viel anderes, als man es von einem durchschnittlichen Madonna-Konzert gewohnt ist, samt phallischem Riesenlippenstift und Raketenbrüsten als Dekoration. Auch eine überdurchschnittlich proportionierte Nacktänzerin taucht auf, gänzlich entblößt ist sie nicht.

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