EM 2008 : Die Stadt ist aufgestellt

Die Autos sind mit Fußballfähnchen ausstaffiert, Leinwände fürs Public Viewing aufgestellt – und zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt sind seit Donnerstag sogar Kuhglocken, Jodler und Alphörner in einer Klanginstallation zu hören: Die Stadt ist bereit für die Fußball-EM 2008.

BVG im EM Fieber
Jetzt geht's los. Berlin ist bereit für die EM. -Foto: Meißner

Wer in diesen Tagen Leinwand und Beamer fürs Public Viewing ausleihen möchte, hat schlechte Karten. „Die meisten Geräte und Leinwände sind reserviert“, sagt Andrea Lehmann von der Blue Media Veranstaltungs GmbH. Am morgigen Sonnabend beginnt die EM in Österreich und in der Schweiz – doch auch in Berlin steigt die Fußballfieberkurve.

Viele Bäckereien legen für die kommenden drei Wochen eigens kreierte Fußball- und EM-Brote in die Regale. Die Bäckereikette Kamps etwa bietet „Schiri-Donuts“ und wird ihre 108 Berliner Filialen mit mehreren tausend „Spielfeldschnitten“ – kleinen Kuchen, die wie eine Spielfeldhälfte aussehen – beliefern.

Die BVG schickte gestern zwei Gelenkbusse auf die Straße. Sie sind mit schwarz-rot-goldenen Flaggen bemalt, die sich über die Bus-„Ziehharmonika“ ziehen und in Kurven für den Betrachter angeblich zu flattern scheinen. Damit will die BVG zum einen Stimmung machen für die EM, zum anderen aber verdeutlichen, dass Firmen auch Werbefläche auf dem sogenannten Faltenbalg buchen können. Die restlichen 1200 Busse, die die BVG täglich durch Berlin fahren lässt, werden aussehen wie immer. Sollte sich Deutschland im Turnier weit nach vorne spielen, werde man sicher wieder Spielergebnisse in Bussen und Zügen durchsagen: „Wenn Deutschland Europameister wird, erfahren das die U-Bahnfahrer sofort.“

Auch so manche Brauerei bereitet sich auf den Bierdurst der feiernden – oder trauernden – Fans vor. Weil die Berliner bei gutem Wetter mehr trinken und die Kneipen für die EM ordern, verkaufe man zur Zeit besonders viel Bier, sagte eine Sprecherin der Berliner-Kindl-Schultheiss-Brauerei. Die Produktion würde etwa 18 Stunden länger arbeiten pro Woche, bei bis zu 60 000 abgefüllten Flaschen pro Stunde: „Damit sind wir gut gerüstet für Sommer und EM.“

Unterdessen machen sich auch Vertreter der unterschiedlichen Euro-Nationen in Berlin warm fürs Feiern. So wollen am Sonnabend zum Turnierstart polnische Diplomaten gegen Vertreter des Auswärtigen Amtes kicken. Die türkische Community trifft sich am Premieretag ihres Teams am Sonnabend um 20.45 Uhr gegen Portugal hoch über der Stadt auf der Dachterrasse des Radiosenders „Metropol FM“ in der Markgrafenstraße in Mitte anlässlich eines deutsch-türkischen Businessevents zum Public Viewing. Derweil bringt sich auch der internationale RBB–Sender Radio Multikulti für die Spiele in Stellung – und lässt den Chefredakteur des Fußballmagazins „11 Freunde“, Philipp Köster, ungewöhnliche Fragen rund um den Fußball beantworten – warum Spieler zum Beispiel ständig auf den Rasen spucken müssen, lautet eine davon.

Auch zwei Studenten der Mediadesign Hochschule Berlin, Emelie Leismann und Marcel Lehmann, haben schon lange Fußball im Kopf. Sie entwarfen für einen Wettbewerb der Designhochschule alternative Spielertrikots für Deutschland, Österreich und die Schweiz – und gewannen den Wettstreit. Ihre Trikots präsentierten die Jungdesigner gestern während einer Modenschau in ihrer Hochschule. Jetzt muss sich nur noch die deutsche Mannschaft ein Beispiel am Sieg der Berliner nehmen. kög, höh, rni

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