EM-Fieber : Drängendes Duell

Heute wird es voll in den Biergärten und Kneipen der Stadt Das EM-Spiel gegen Portugal treibt die Berliner vor den Großbildschirm.

Sebastian Leber,Thomas Loy

BerlinEs wird eng heute Abend. Nicht nur auf dem Rasen in Basel, sondern auch in Berlins Kneipen und Biergärten. Denn das Viertelfinalspiel gegen Portugal werden noch mehr Fans sehen wollen als das Spiel gegen Österreich - und schon da haben sich in manchen Lokalen Quetschorgien vor den Großbildschirmen abgespielt. Die Wirte wissen: Obwohl das deutsche Team keinen Traumstart hatte, ist die EM-Stimmung in Berlin auf hohem Niveau. Wäre die Fanmeile im Tiergarten bereits offen, bliebe zwischen Brandenburger Tor bis Yitzhak-Rabin-Straße wohl kein Meter frei. Doch die Meile startet erst nächste Woche - also verteilen sich die Fans heute Abend noch einmal in der Stadt. Die größten Partys werden wohl wieder auf dem Gelände der Treptower Arena und in der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg gefeiert.

Auch das Wetter ist ein Grund, heute nicht zu Hause zu bleiben: Den ganzen Abend über bleibt es warm und trocken. Um 20.45 Uhr, wenn angepfiffen wird, sind es in Berlin noch über 20 Grad, sagen die Meteorologen.

Fußball lässt sich nicht ignorieren

Manche Wirte, die das Fußballturnier zunächst ignorieren wollten, haben übrigens inzwischen eingelenkt und zumindest kleine Fernseher in ihre Kneipen gestellt. Im ganz großen Rahmen will heute der Club Felix in der Behrenstraße feiern: Er hat extra für das heutige Spiel sein Programm umgeworfen, drei Leinwände bestellt und die komplette Soundanlage umgerüstet, damit die Besucher sich wie im Stadion fühlen. Die Macher versprechen eine "schwarz-rot-goldene Siegesnacht" - und Portugals Star Ronaldo ein "Nachhauseticket".

Überhaupt scheinen die Berliner recht optimistisch, dass die heutige Partie nicht die letzte der deutschen Mannschaft in diesem Turnier ist. Und so mancher macht sich Gedanken, wie man aus den schwachen Leistungen der letzten beiden Gruppenspiele lernt. "Man muss selber erkennen, dass man mies war, und dann den Arsch zusammenkneifen", sagt etwa Cornelia Stöffgen aus Neukölln. Und Schülerin Sinem Kara empfiehlt der Mannschaft von Joachim Löw, sich ein Vorbild an der türkischen Elf zu nehmen: "Die glauben wirklich an sich und kämpfen bis zuletzt." Sportpsychologe Jan Meyer von der "Hochschule für Gesundheit und Sport" in Berlin glaubt gar nicht erst an eine Krise des deutschen Teams: "Gegen Österreich war der Druck extrem. Das war eine unglückliche Situation. Jetzt können die Deutschen befreit aufspielen."

Wenn Meyer Recht behält, wird heute Abend nach dem Abpfiff in der City West wieder das Chaos ausbrechen. Weil die deutschen Fans im Anschluss an einen glücklichen Spielausgang den Ku'damm stürmen, besonders die Kreuzung zur Joachimstaler Straße und die Straßen rund um den Breitscheidplatz komplett lahmlegen werden. Ähnliche Szenen dürfte es morgen Abend geben - falls sich die Türkei gegen Kroatien durchsetzt.

Danach ist aber definitiv Schluss mit Quetschen. Am kommenden Mittwoch öffnet die Fanmeile, pünktlich zum ersten Halbfinalspiel. Da könnte es rein theoretisch zur Partie Deutschland gegen die Türkei kommen. Mehr Stimmung ist kaum vorstellbar.

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