Entführung in der Türkei : Berliner Kurden: Entführer schaden unserem Freiheitskampf

Kurdische Flüchtlings-Vereine fordern die "sofortige Freilassung“ der deutschen Geiseln in der Türkei. Das Rote Kreuz soll dabei vermitteln.

Thomas Loy
Kurden
Foto: ddp

Necat Sunar schlägt drei Mal mit der Faust auf seinen Kopf – das soll die dreifache Unterdrückung der Kurden symbolisieren. In der Türkei, im Irak und in Deutschland werde man diskriminiert, sagt der Journalist, der in den 90er Jahren nach Deutschland flüchtete. Die Entführung der deutschen Touristen am Ararat werde daran nichts ändern.

Senar sitzt mit seinen Freunden – ebenfalls kurdische Flüchtlinge – in einem Café am Kottbusser Tor. Man raucht und diskutiert. Die deutschen Touristen in der Hand der PKK hätten nichts zu befürchten, meint Senar. Ihnen etwas anzutun, gäbe der türkischen Armee einen weiteren Vorwand, gegen die Kurden militärisch vorzugehen. „Wenn das Rote Kreuz in der Sache vermittelt und nicht die türkische Regierung, werden die Geiseln bald wieder freikommen“, glaubt Senar, der bei einer kurdischen Exilzeitung gearbeitet hat, bis das Blatt wegen der Nähe zur PKK verboten wurde.

Beim Stichwort PKK hält es die drei Männer kaum noch auf ihren Stühlen. „Jeder, der sich als Kurde bezeichnet, wird als PKK-Mann gesehen“, sagt Sunar und schlägt mit der flachen Hand auf das weiche Tischtuch. Das sei Teil der türkischen Strategie, die Kurden in Deutschland zu verfolgen. Die deutsche Regierung beteilige sich an der Unterdrückung der Kurden anstatt sie als Minderheit zu schützen. Ähnlich argumentieren auch die Entführer. Sunar und seine Freunde betonen aber, dass sie die Geiselnahme ablehnen. Dadurch werde sich das Image der Kurden in Deutschland weiter verschlechtern, befürchtet Sunar.

Die Kurden erinnern sich noch gut an die Erstürmung des israelischen Generalkonsulats 1999. Die Bilder eines entfesselten Mobs kurdischer Demonstranten gingen damals um die Welt und schadeten der kurdischen Sache.

Necat Sunar möchte von den deutschen Behörden als Kurde anerkannt werden. Die Realität sehe anders aus: Seiner Tochter habe er keinen kurdischen Namen geben können, weil sich die deutschen Standesämter an Vorgaben des türkischen Konsulats hielten. Noch schlimmer ist für Sunar die türkische Dominanz im Alltag. Während der Fußball-Europameisterschaft wehten überall in Kreuzberg türkische Flaggen. Seine fünfjährige Tochter wollte zuletzt auch eine haben - „das tat mir sehr weh“, sagt Sunar.

Die Versammlung kurdischer Vereine und Organisationen in Berlin hat die „sofortige Freilassung“ der drei deutschen Bergsteiger gefordert. Zugleich fordern die Vereine die Bundesregierung auf, sich verstärkt um eine „gewaltfreie Lösung der kurdischen Frage“ zu bemühen.

Das wünschen sich auch Sunar und seine Freunde. Die Kurden selbst, so sagen sie, könnten nicht viel für ihre Freiheit tun. (mit dpa)

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