Erfolgreiche Bürger : Bewegung im Streit um die Bäume am Kanal

Im Streit um die Sanierung des Landwehrkanals hat die Bürgerinitiative zur Erhaltung der Bäume am Ufer einen kleinen Teilerfolg errungen. Ein Gutachter soll nun alternative Sanierungspläne vorlegen.

Johannes Radke

Nach einer sechsstündigen Verhandlungssitzung mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) hat sich die Behörde dazu bereit erklärt, einen unabhängigen Gutachter zu bezahlen. Dieser soll alternative Sanierungsvorschläge für den Landwehrkanal erarbeiten. Der Dezernatsleiter der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost, Tjark Hildebrandt, sprach von einem „Vertrauensbeweis“ gegenüber den Anwohnern. „Wir wollen zeigen, dass wir die Bedenken der Menschen ernst nehmen“, sagte WSA-Sprecherin Evelyn Bodenmeier. Wie viel Geld für den Gutachter bereitgestellt wird, stehe noch nicht fest. „Der finanzielle Aufwand muss im Kosten-Nutzen-Verhältnis stehen“, sagte Bodenmeier. Mit dem Hinzuziehen eines unabhängigen Experten wolle man eine „Gutachterschlacht“ verhindern und auf ein baldiges Ende des Konflikts hinarbeiten.

Anwohnerin Anuschka Guttzeit, die an den Gesprächen beteiligt war, sprach von einem „tollen Verhandlungserfolg“ der Initiative. Die Baumschützer suchen jetzt nach einem unabhängigen Gutachter, der sich mit ökologisch nachhaltigem Kanalbau auskennt. Dieser müsse die „Professionalität und die Courage haben, sich gegen die althergebrachten Herangehensweisen des WSA durchzusetzen“.

Der Gründer des Aktionsbündnisses „Bäume am Landwehrkanal“, Arno Paulus, warnte jedoch davor zu glauben, dass ein schnelles Ende des Streits in Sicht sei. „Es ist alles noch weit weg von einer endgültigen Lösung.“ Im Großen und Ganzen seien die Verhandlungen nach wie vor „unglaublich zäh“ und das Misstrauen gegenüber dem WSA groß.

Der Streit um die Sanierung der Wasserstrecke läuft schon seit dem vergangenen Sommer. Das WSA hatte ursprünglich geplant, rund 200 Bäume entlang des Kanals wegen „mangelnder Standsicherheit“ zu fällen. Dagegen gab es massive Proteste der Anwohner. Mit Menschenketten versuchten die Baumschützer in den letzten Monaten mehrfach, die Kettensägen zu stoppen. Trotzdem wurden rund 20 Bäume unter Polizeischutz abgesägt. Zwischenzeitlich war der Landwehrkanal für fünf Wochen gesperrt. Einige Bäume drohten in die Fahrrinne zu stürzen. Seit November letzten Jahres sucht die Bürgerinitiative unter Leitung konflikterfahrener Mediatoren gemeinsam mit der Behörde nach einer Kompromisslösung.Johannes Radke

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