Espiners Berlin-Kolumne : Adoptiert Wörter!

Mark Espiner singt Kraftwerk auf der Autobahn und will Berliner Ausdrücke in die englische Sprache einführen.

Mark Espiner
Mark EspinerFoto: Thilo Rückeis

Ich hoffe, Sie hatten alle schöne Osterferien. Ich hatte sie und werde Ihnen gleich davon berichten. Zuerst aber vielen Dank an all die, die mir wirklich brilliante Vorschläge geschickt haben zu Berlin’s Aussichtspunkten. Bitte entschuldigen Sie, falls ich noch nicht geantwortet habe. Ich werde es sicher tun. Und bald auch werde ich über meinen eigenen Himmel über Berlin schreiben und was ich gesehen habe ganz oben auf den Türmen und in den Parks.

Ich bin jedoch erst vor Kurzem von einem Aufenthalt in London zurückgekehrt. Ich war dort, weil Kursk, das Stück, das ich mitentwickelt habe, gerade auf der Bühne ist. Es spielt an Bord eines U-Bootes, was wiederum manche Presseleute zu der Behauptung angeregt hat, es wäre das Theaterequivalent zu Das Boot.

Das ist sehr schmeichelhaft. Das Boot war Ihr bester Filmexport seit Fassbinder. Und der  nicht synchronisierte Film (warum, frage ich, sind Sie hier besessen vom Synchronisieren? Warum verwenden Sie nicht Untertitel?) ist weiterhin ein Hit in den Videotheken in Großbritannien. Es fiel mir jedoch auf, dass Das Boot nicht zu “The Submarine” oder “The U-Boat” oder etwas Ähnlichem wurde, für das englische Publikum. Und ich begann darüber nachzudenken, wieviel Deutsch wir Anglosachsen übernommen haben.

Ich bin nicht so vermessen, Kursk als “Gesamtkunstwerk” oder “Gestalt” zu bezeichnen, oder ob es den “Zeitgeist” für Immersive Theatre getroffen hat. Noch werde ich hier meine “Weltanschauung” über Kunst preisgeben. Ich habe keine “Angst” diese deutschen Wörter zu verwenden, die wir Engländer mit Freude adoptiert haben. In der Tat fühle ich etwas “Schadenfreude” für diejenigen, die dies nicht so bereichernd finden wie ich.  

Von Kraftwerk habe ich auch etwas Deutsch gelernt und singe “Fahren, fahren, fahren auf der Autobahn”, egal auf welcher Nationalität von Straße ich entlangfahre.

Hier jedoch scheint sich eine Gegenreaktion zu entwickeln. Der berühmt-berüchtigte Liebhaber der englischen Sprache, Guido Westerwelle, hat genug. Ich habe gerade erst von seinem “Jahr der deutschen Sprache” erfahren. Und dann gibt es die ich-spreche-deutsch.com Kampagne und den Verein Deutsche Sprache e.V. [ http://www.vds-ev.de/ ]. Sie sollten sich alle in einer Taskforce zusammentun, ein paar Ideen brainstormen und eine Checkliste zusammenstellen, die auf einer Webseite highlightet, wie man das Englische in der deutschen Sprache ausrottet.  

Bitten sagen Sie mir, ob ich hier falsch liege, aber ich habe den Eindruck, dass Sie Berliner etwas entspannter mit dem englischen Einfluss umgehen. Ich habe festgestellt, dass das wunderbare Radialsystem der “new space for the arts in Berlin” ist – keine Angst hier vor der fremden Sprache. Und die fantastischen Cafes, die ich vor ein paar Wochen besucht habe, hatten alle englische Namen (DoubleEye, Godshot, No Fire No Glory). Ich habe gehört, dass manche Berliner den Prenzlauer Berg “Pregnancy Hill” nennen, was eine gelungene Beobachtung ist. Und beim Alexanderplatz gibt es ein WC Centre – das ist   wahrscheinlich so, um den Touristen zu helfen, obwohl das Konzept eines WC Centres etwas seltsam ist. Mir wurde allerdings etwas mulmig, als ich “Upper Eastside Berlin” in eine Hauswand auf der Friedrichsstrasse  eingraviert sah. Das klingt sehr nach New York City. Englisch ist ok, aber bei Amerikanisch ziehe auch ich eine Grenze.

Ich denke, es war Winston Churchill – er machte übrigens häufigen Gebrauch des Wortes “Blitz” –  der sagte, England und Amerika wären zwei Nationen, geteilt durch eine gemeinsame Sprache. Wie wäre es denn dann mit dieser Idee: wir könnten zwei Nationen sein, vereint durch verschiedene Sprachen, während wir enthusiastisch Wörter adoptieren und sie miteinander tauschen.  

Ich werde nun den ganz bewussten Versuch machen, speziell Berlin-deutsche Wörter in die englische Sprache einzuführen. Aber bis jetzt ich kenne nur zwei: “Kiez” und “Schnauze”. Andere Vorschläge?

Sie können Mark Espiner mailen unter mark@espiner.com oder ihm auf Twitter folgen @deutschmarkuk. 

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