Europäische Clubnacht : Sternentänzer und Star-DJs

An 27 Partyorten wird heute die 3. Europäische Clubnacht gefeiert. Schirmherr ist der Außenminister, der das Programm vorab präsentierte.

Nana Heymann
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Hände hoch, der Außenminister kommt. Berlins Clubszene ist sowieso international - da fällt es es gar nicht so schwer, eine...Foto: ddp

Und plötzlich wippt die Fußspitze im Takt mit, ganz von allein. Frank-Walter Steinmeier steht am Donnerstagmorgen in einem Linienbus der BVG im Innenhof des Auswärtigen Amts und blickt auf einen Flachbildschirm. Der zeigt einen Clip der Berliner Multimedia-Künstlerin Danielle de Picciotto, in dem europäische Jungs und Mädchen ihre jeweiligen Nationaltänze aufführen, unterlegt mit schnellen Clubbeats. „Toll“, sagt Steinmeier, und würde nicht schon der nächste offizielle Termin für den Bundesaußenminister und Vizekanzler anstehen, wer weiß, ob die beiden nicht ein gemeinsames Tänzchen gewagt hätten.

Dass sich der SPD-Kanzlerkandidat plötzlich für Subkultur interessiert, hat einen Grund: Er ist Schirmherr der Europäischen Clubnacht, die heute Abend beginnt. Im Mittelpunkt der diesjährigen, mittlerweile dritten Auflage steht das fünfte Jubiläum der EU-Erweiterung. Zehn neue Staaten traten der Union damals bei, unter anderem Rumänien, Bulgarien und Zypern.

Organisiert wird die Europäische Clubnacht von der Club Commission, dem Verband der Berliner Veranstalter und Clubbetreiber. Das Ticket kostet zwölf Euro, ist an der Abendkasse aller teilnehmenden Clubs erhältlich und berechtigt zum Besuch aller 27 Partyorte – jeder übernimmt die Patenschaft für jeweils ein EU-Land. So präsentiert sich Frankreich im neu eröffneten „Astra“ in Friedrichshain. Dort wird Star-DJ Laurent Garnier auflegen. Der „Tresor“ an der Köpenicker Straße in Mitte hat sich auf Italien eingestellt, im Laufe des Abends tritt dort der Electro-Newcomer Dusty Kid auf. Und im „White Trash Fastfood“ in Mitte stehen die finnischen Rocker „The Flaming Sideburns“ auf der Bühne. Epizentrum der Clubnacht ist die Kulturbrauerei. Dort treten die zehn EU-Neulinge an, die im Mittelpunkt der diesjährigen Veranstaltung stehen. Und dort fällt auch der Startschuss – mit Danielle de Picciottos Kurzfilm „Sternentanz“.

Vielleicht wird sich auch Frank-Walter Steinmeier unter das Partyvolk mischen, unwahrscheinlich ist es nicht. Bereits zur ersten Europäischen Clubnacht vor zwei Jahren besuchte er das Oxymoron in Mitte, gemeinsam mit dem stellvertretenden Regierungssprecher Thomas Steg. Eine knappe Stunde verbrachten sie in dem Laden, unterhielten sich mit Betreiber Olaf Kretschmar, tranken Sekt – und wurden von den übrigen Partygästen ungläubig beobachtet. Tanzen wollte Steinmeier damals aber nicht.

Für die Club Commission ist die Veranstaltung eine Möglichkeit, die Bandbreite des Berliner Nachtlebens zu präsentieren. Kaum eine andere europäische Metropole beheimatet so viele Clubs, bietet so unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen und Akteuren eine eigene Nische. Knapp 100 DJs legen allein in dieser Nacht auf, viele kommen extra aus dem Ausland angereist. Ob einer von ihnen Frank-Walter Steinmeiers persönlichen Musikgeschmack trifft, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Fragen zu seiner privaten Lieblingsmusik wollte er im Vorfeld nicht beantworten.

Das komplette Programm unter www.eu-clubnacht.de

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