Europas Jugend in Berlin : Neues aus dem Osten

Beim Erkundungsprojekt eu_checker sollen Teams von jungen Leuten aus den neuen EU-Beitrittsländern Rumänien und Bulgarien berichten.

Matthias Jekosch

Korrupt soll es in ihnen zugehen und unterentwickelt sollen sie sein, allenfalls gut, um dort billig Urlaub zu machen. Gegen solche Art Vorurteile zu Rumänien und Bulgarien will Gregor Scheppan angehen. Scheppan ist Geschäftsführer der „Politikfabrik“, einem studentischen Thinktank in Berlin. 2002 haben er und seine Mitstreiter den „Wahl-O-Mat“ erfunden, außerdem kümmern sie sich mit der „Wahl Gang“ vor Bundes- und Landtagswahlen um Jung- und Erstwähler. Mit „eu_checker“ folgt nun das nächste große Projekt.

Die „Politikfabrik“ will sechs Teams mit jeweils drei Personen durch die beiden Länder schicken. Gerüstet mit Smartphone, Kamera und Laptop sollen sie vor Ort Beiträge für die Internetnutzer zu Hause erstellen. „Und dazu suchen wir noch Leute zwischen 16 und 28 Jahren, die in die Länder eintauchen wollen. Wer allerdings im Hotel schlafen möchte, der ist bei uns falsch“, sagt Scheppan.

In einem Klinkerbau an der Schönhauser Allee ist seit Januar die neue Heimat der „Politikfabrik“: Projekt- und Organisationspläne hängen an der Wand, eine Rumänienkarte ist mit roten und gelben Punkten beklebt. Das Land ist seit dem 1. Januar zusammen mit Bulgarien Neumitglied der Europäischen Union.

Von den Teilnehmern erwartet er eine „Affinität im Umgang mit neuen Medien, sie sollen halbwegs vernünftig schreiben können und müssen neugierig sein“. Schließlich treten die Teams auch gegeneinander an. Ihre Fähigkeiten sollen die Interessenten schon in der Bewerbungsphase zeigen. Auf der eu_checker-Seite richten sich die Kandidaten ein Profil ein und hegen und pflegen dieses mit Videos und anderen Inhalten. Über die höchste Klickanzahl kommen sie in die zweite Runde, in der sie von einer Jury noch einmal geprüft werden.

Ab dem 20. Juli folgt für zwei Wochen die eigentliche Arbeit vor Ort in den beiden Ländern. Jeden Tag gilt es dann für die Teams eine neue Station zu besuchen und Beiträge zu erstellen. Die werden anschließend ins Netz gestellt.

Neben seiner Tätigkeit in der „Politikfabrik“ studiert der 28-jährige Scheppan an der Freien Universität Politikwissenschaften und steht kurz vor seinem Diplom. Insgesamt stehen ihm etwa 35 aktive Mitglieder zur Seite. Die Idee hinter dem Projekt ist es, Theorie und Praxis zu verbinden und Studenten die Möglichkeit zu geben, „sich auszutoben“, wie Scheppan es nennt. Schüler und Studenten bekämen zu selten die Möglichkeit, ein Projekt von A bis Z durchzuführen. Planung, die Beschaffung von Geldern, die Umsetzung würden hier im Learning-by-Doing-Prinzip umgesetzt. Zusätzlich geben Profis in Workshops Tipps.

Außenminister Frank Walter Steinmeier ist Schirmherr der Aktion, Medienpartner sind mit im Boot, und die Verhandlungen mit einem Fernsehsender laufen. Scheppan geht von etwa 100 000 Nutzern aus, die den eu_checkern im Internet folgen wollen – und mit ihren Klicks bestimmen, in welche Orte die Reise geht und welches Team am Ende gewinnt. Matthias Jekosch

Bewerbungen noch bis zum 28.6.07 unter: www.euchecker.de

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