Fanclub Opel : Mit Vollgas durch die Krise

Seit Wochen wird spekuliert, ob die Traditionsfirma Opel zu retten ist Aber was denken die Mitglieder des Berliner Fanclubs? Ein Besuch.

Thomas Loy
Opel
Willkommen im Club. Die Mitglieder Thorsten (links) und Daniel glauben nicht, dass Opel gefährdet ist. Vielleicht machen sie...Fotos: Thilo Rückeis

BerlinOpel steckt tief drin in der Krise, aber für Opelfahrer gilt das noch lange nicht. Dem Vorschlag, eine „Aktuelle Stunde“ anzusetzen, erteilt Daniel (Vectra B, früher Kadett) eine klare Absage. „Worüber sollten wir reden?“ Thorsten (früher Manta, jetzt Omega) kann sich einen Bankrott des Unternehmens, ein Deutschland ohne Opel, gar nicht vorstellen, also verdrängt er die Krise erfolgreich. „Das ist viel zu sehr politisiert.“ Martin (Vectra C, hätte gerne Caravan, ist aber zu teuer) findet die Krise „schade, aber mein Gott, die kriegen ja Hilfe“. Sein Credo: Alles wird gut.

Und so ist die Stimmung beim Vereinstreffen des Opel-Clubs Berlin im Nebenzimmer der „Bowl Arena Spandau“ ausgelassen und zuversichtlich. Vorsitzender Daniel, ein Elektroniker, hat Mühe, im Feuerwerk der Frotzeleien mit seiner Tagesordnung durchzudringen. Dabei handelt es sich um wichtige Fragen zum nächsten Opeltreffen in Oschersleben: Wer sorgt für Getränke? Wer räumt nachher auf? Astrid (Opel Astra G, 229 000 Kilometer, früher Kadett) weigert sich, die Kostenbeiträge einzuziehen, wie sie es voriges Jahr getan hat. „Möcht’ ich ooch nie wieder machen.“

Zehn Männer und sieben Frauen sind gekommen, die ältesten gerade Anfang 40. Drei tragen das hell- und dunkelblau gestreifte Club-T-Shirt mit Maskottchen Tweety, der Rest hat unauffällige Alltagskluft an, ein Vereinsfähnchen fehlt.

Astrid ist Kassenwartin und so lange dabei, wie der Club alt ist: 19 Jahre. Ihr damaliger Freund schleppte sie mit. Für das Innere von Autos hat sie sich nie interessiert. Das Gesellige hält sie hier: das Grillen, die Ausflüge, die Kinobesuche.

Martin aus Hohenschönhausen ist Zeitsoldat und hofft, noch dieses Jahr nach Afghanistan zu kommen, um dort „Erfahrungen“ zu sammeln. Zu Opel kam er, weil ein Kamerad Opel heißt. Opel sei im Opel-Club Jena aktiv. Martin grinst, aber die Geschichte sei echt, sagt er.

So sind hier alle irgendwie ins Opellager gerutscht, so, wie man Hertha- oder Schalke-Fan wird. Mutter oder Vater fährt das Auto, weil Opa schon auf die Marke schwörte („Nimm Opel, Junge, dat is wat Zuverlässiges“). Thorsten kann sich noch an die alte Werbung erinnern: „Fährt wie auf Schienen.“ Weiterer Einstiegsgrund: Opel sei billiger als die Konkurrenz. Vor allem bei den Ersatzteilen.

Bankkauffrau Bea, sehr jung, lange blonde Haare, ist heute zum ersten Mal da und muss sich vorstellen. Natürlich erzählt sie von ihrem Auto, einem Vectra B 2.2er Diesel. Davor hatte sie einen 1.8er, den sie „schick gemacht“ hatte, mit „Vorface“ und so, aber dann ist ihr jemand reingefahren, und das habe nicht nur ihr Auto verletzt, sondern auch ihre Seele.

„War bestimmt ’n VW“, sekundieren zwei Opel-Männer und ernten Gelächter. VW ist der natürliche Feind eines Opelfahrers. Umgekehrt sei das Verhältnis aber noch wesentlich schlechter, versichert der Clubvorsitzende Daniel. Opelfahrer seien für ihre Toleranz bekannt.

Bea sagt, sie wäre traurig, wenn das Unternehmen in der Krise untergehen würde. Es sei da schließlich unverschuldet hineingeraten. General Motors, die Mutter, müsse ihren Sohn endlich ziehen lassen. Aber wenn der Sohn doch zusammen mit der Mutter untergeht? Keiner hier würde seinen Wagen verkaufen, wenn es die Firma nicht mehr gäbe. Unvorstellbar.

Daniel verspricht, sich nochmal zu überlegen, ob sie eine Soli-Aktion starten, einen Korso oder so was. Fast hätte er ja bei der Sternfahrt der Opel-Clubs nach Rüsselsheim mitgemacht. „Ging aber nicht, musste arbeiten.“

Opelfahrer, so viel ist nun klar, sind genügsam, pragmatisch, vielleicht etwas nüchtern, aber unerschütterlich in ihrer Treue. Der Opel ihrer Eltern habe sie früher bis nach Griechenland gefahren, erzählt Bea, jedes Jahr, „und da war nix“.

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