Fashion Week : Am Ende des Laufstegs

Die Fashion Week ist vorbei. Mit dieser Saison hat sie endgültig einen festen Platz in der internationalen Modeszene erobert. Allerdings gibt es das Gerücht, dass einer der wichtigsten Teilnehmer bei der Neuauflage im Sommer fehlen wird.

Grit Thönnissen
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BerlinEs ist so weit: Die Berliner Fashion Week wird ernst genommen. Das ist vor allem der kreativen Hartnäckigkeit zu verdanken, mit der viele Berliner Designer wie Michael Michalsky, Sisi Wasabi, Kilian Kerner und C.Neeon ihre Kollektionen weiterentwickelt haben. Sogar der Modeexperte der FAZ, Alfons Kaiser, musste feststellen, dass sich in dieser Saison die Mercedes Benz Fashion Week als feste Größe in der Branche etabliert hat. Da ist das Gerücht, das deutsche Modeschwergewicht Boss wolle in der nächsten Saison nicht mehr in Berlin zeigen, gar nicht so erschütternd. Überhaupt war es die bisher erfolgreichste Fashion-Week: 18 000 Zuschauer verfolgten die Modenschauen.

Und anders als in den Saisons zuvor, ist das Vorhaben der Veranstalter sichtbar geworden: Eine Plattform für Deutsche Mode zu werden. Dass sich viele schon auf den Sommer freuen, hängt auch mit der Wiederkehr der Bread & Butter zusammen. Nur ein paar Stunden nach dem Veranstalter Karl-Heinz Müller am Mittwoch verkündet hatte, dass die Messe ab Sommer für zehn Jahre im Flughafen Tempelhof stattfinden wird, hingen Plakate mit der Aufschrift „Bread & Butter is coming home“ in der Stadt. Zeit genug für die Planung hatte Müller: Seit zwei Jahren verhandelte er mit der Stadt – streng geheim. Im November gab es grünes Licht. Müller rechnet damit, dass sich der Andrang in Berlin im Vergleich zur Veranstaltung in Barcelona noch mal erhöhen wird: Dorthin kamen zuletzt 80 000 Besucher und 800 Aussteller.

So viele stellten auch auf der Modemesse Premium aus, die zusammen mit der Bread & Butter im Januar 2003 nach Berlin kam, aber der Stadt bis heute die Treue hält. Dort war es auf dem Gelände des alten Postbahnhofes am Wochenende ruhig. Aber von Krise wollte hier kaum einer sprechen. „Für uns war es ein Erfolg, wir haben Neukunden gewonnen“, sagt Michael Wills vom Berliner Label „C''est tout“. Schon Stunden vor Ende der Messe waren fast alle Stände geräumt. Auch Simone Zicks von „Villa Gaia“ lässt auf die Premium nichts kommen. Sie ist gespannt auf den Sommer: „Jetzt müssen sie die Termine in Berlin abstimmen.“

Und das ist schwierig – die Saison ist für Mode sehr eng gesteckt, diesmal überschnitten sich der Termin in Berlin mit den Männermodenschauen in Paris und der Messe in Düsseldorf. Mit der Bread &Butter gibt es weitere Verwirrung. Müller will die Modesaison Anfang Juli eröffnen. Aber die Fashion Week soll am 16. Juli beginnen – der frühste Termin für die Damenkollektionen. Denn anders als in Paris oder Mailand werden in Berlin Männer- und Damenkollektion zusammen gezeigt.

Die Vielfalt ist Berlins großes Potential. Das bewies am Sonnabend Bernhard Willhelm. Der deutsche Designer, der zum ersten Mal in Berlin zeigte, hatte zu einem Modehappening in den Postbahnhof geladen. Männer mit goldenen Bärten in Retro-Skikleidung schaukelten auf selbst gezimmerten Skiliften und bestiegen einen hölzernen Eifelturm. Mode kann Sorgen vertreiben: An diesem Abend hat keiner an Krise gedacht, sondern sich darauf gefreut, dass es in ein paar Monaten weitergeht mit Mode in Berlin.

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