Fashion Week : Berliner Sam Frenzel gewinnt den Nachwuchspreis

Riesige Kunst-Diamanten, opulente Ornamente und außergewöhnliche Schnitte: Mit einer Kollektion voller Eleganz und Humor überzeugte Sam Frenzel die Jury des Designer for Tomorrow Awards auf der Fashion Week.

Dagny Lüdemann
Sam Frenzel
Glücklich. Sam Frenzel. -Foto: dpa

"Alles was glatt ist, mag ich nicht", sagt Jungdesigner Sam Frenzel in dem Präsentationsfilm zu seiner Modekollektion, die er am Freitagnachmittag zusammen mit sieben weiteren Finalisten des Designer for Tomorrow Awards auf der Fashion Week präsentieren durfte.

Am Ende ging Frenzel als Gewinner vom Laufsteg – und bekam einen glatten, durchsichtigen Pokal, über den er sich über alle Maßen freute. Der 29-jährige Absolvent der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) präsentierte eine beeindruckende Mini-Kollektion mit Kleidern, Hosen, Blusen und Accessoires – alles andere als glatt, aber trotzdem durchdacht und aufgeräumt.

Dass Frenzels Entwürfe Gewinnerpotenzial haben, zeigte sich schon während der Show. Beifall brach aus, als ein Model die erste Kreation des Berliner Jungdesigners vorführte: Ein weites Cape aus fließendem Stoff, das über einen Ballonrock fiel, der sein Volumen vor allem nach vorne entfaltete. Darunter trug das Model eine schmale Hose. Kombiniert mit außergewöhnlichen Schmuckelementen ergab sich ein futuristisches, erhabenes, aber auch warmes Bild.

Sam Frenzel zeigte mehrere innovative Schnitte – wie etwa eine Hose mit trichterförmigen Taschen an den Seiten – oder ein graues Bustier-Kleid mit voluminösem Rock, das er mit einem zur Schleife gebundenen Lackgürtel und einer transparenten Bluse mit Schulterornamenten kombinierte.

Auch die saubere und professionelle Verarbeitung der Materialien – ein Mix aus hauchdünnen Fasern und dicken Wollstoffen – dürfte die Juroren überzeugt haben. In der Jury saßen Modeexperten wie Viktoria Strehle, Kreativdirektorin von Strenesse Blue, Stephan Schneider, Professor für Modedesign an der Universität der Künste (UDK) Berlin und Annette Weber, Chefredakteurin der Zeitschrift InStyle.

Der Preis, der zum zweiten Mal von Peek & Cloppenburg auf der Berliner Fashion Week vergeben wurde, gilt als Eintrittskarte in das professionelle Mode-Business. Denn einige der Teilnehmer aus der letzten Saison sind inzwischen groß im Geschäft: Vorjahressieger Joel Horwitz entwirft Kreationen für Adidas, die ebenfalls gekürte Julia Knüpfer baut ihr eigenes Label auf. Und auf der diesjährigen Modewoche zeigten Frida Weyer und Michael Sontag – zwei der Nachwuchsdesigner, die letztes Mal am Designer for Tomorrow Award teilnahmen – ihre ersten eigenen Kollektionen.

Doch auch Sam Frenzels Mitstreiter zeigten beeindruckende und professionell verarbeitete Kollektionen. "Wir sind begeistert von der Qualität und der Kreativität der jungen Designer", sagte Viktoria Strehle bei der Verleihung.

Unter die letzten acht waren Deyra Issever von der FH Berlin, Chantal Margiotta und Sasa Kovacevic von der Kunstschule Berlin-Weißensee, Simon Hannibal Fischer von der AMD München, Arkadius Giesek von der AMD Düsseldorf, Eva-Maria Bogár von der Hochschule für Gestaltung in Pforzheim und Lena Pfeil gekommen, die wie Gewinner Sam Frenzel an der HTW Berlin studiert hat.

Gemeinsam zeigten die Jungdesigner eine abwechslungsreiche Show mit individuellen Entwürfen für Männer und Frauen. So bekamen die Gäste – zu denen auch Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit zählte – Männer in fantasievoll gestalteten Ganzkörper-Sackmänteln und an Superman erinnernden Umhängen zu sehen im Kontrast zu Frauen in feinen Jerseykleidern mit kunstvollen Knoten und Knüpfungen, durchsichtigen Hosen oder an die sechziger Jahre angelehnten Etuikleidern. In einigen Kollektionen mischten sich Stilrichtungen, Materialien und Schnitttechniken zu einem überbordenden Gesamtbild, während andere ganz puristisch nur wenige Akzente setzten.

Sam Frenzel war jedenfalls überglücklich, den Award mit nach Hause zu nehmen. Sollte er trotz der Auszeichnung und der nun folgenden Unterstützung von Peek & Cloppenburg keinen internationalen Erfolg als Couturier haben, steht ihm immer noch eine Karriere als Schmuckdesigner offen: Denn von den wirklich außergewöhnlichen, mit Humor gestalteten Ketten, Armreifen und Handtaschen, besetzt mit transparenten und weißen Riesen-Kunststeinen, war das Publikum besonders begeistert.

Mit etwas Glück bekommt die Modewelt schon auf der nächsten Fashion Week in Berlin eine komplette eigene Sam-Frenzel-Kollektion zu sehen.
 

ZEIT ONLINE

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