Fashion Week : Die Sitzordnung der Promis

Bei den Modewochen in Paris, London, Mailand oder New York sitzen die Promis in der ersten Reihe. Doch wer hat bei der Berliner Fashion Week die besten Zuschauerplätze ergattert?

Christine-Felice Röhrs

BerlinFashion Week oder Modewoche? Ereignis von internationaler Bedeutung oder regionales Schneidertreffen? Das hängt nicht nur von den Designern ab. Nach drei Tagen voller Schauen ist es höchste Zeit für einen ersten Blick auf die Gästelisten – und vor allem auf den Mythos der „front row“: der ersten Reihe.

Bei den Modewochen in Paris, London, Mailand oder New York sitzen vor allem Popstars und Schauspieler in der ersten Reihe, außerdem „socialites“, also Damen der Gesellschaft sowie Erbinnen. Madonna und Victoria Beckham sind immer da. In Berlin sind immer da: Barbara Schöneberger und der Bürgermeister.

Gesamte Jungschauspielerriege tritt an

Til Schweiger hampelt. Er sitzt in der Mitte der linken Front Row, gleich neben dem Bürgermeister, Barbara Schöneberger, Boris Becker und Sabine Christiansen. Mit dem Handy filmt er die Reihe gegenüber. Die beiden ersten Reihen benehmen sich bei dieser Fashionshow ein bisschen wie die Teilnehmer einer Tanzstunde der 50er Jahre. Neugierig gucken sie: Wer sitzt denn da drüben?

Die Boss-PR scheint die gesamte deutsche Jungschauspielerriege untergebracht zu haben. Till Schweiger winkt Wotan Wilke Möhring, der mit dem Feuerzeug zurückwinkt. Jasmin Tabatabai hängt knutschend am Hals ihres Freundes. Der Rock von Jessica Schwarz ist ein wenig zu kurz für den exponierten Sitzplatz. Karoline Herfurth, das zarte Opfer im verfilmten „Parfum“, trägt ein rotes Satinkleid zu Haar-Banane und Perlen. „Aua“, sagt eine Moderedakteurin von gegenüber.

Die New Yorker Modewebseite „trendmill“ hat für die Front Row mal Benimmregeln erlassen. Zum Beispiel: die Mode des Designers tragen, der eingeladen hat (aber nicht von Kopf bis Fuß, „sonst sehen Sie nur aus wie ein unoriginelles Arschloch“). Manchmal bieten Labels auch an, Gäste für den Abend einzukleiden. Das schaffen bei Michalsky in der Gemäldegalerie am Dienstag nur Udo Kier und Alexandra Neldel.

Strenge Regeln bei der Platzierung

Bei der Hugo-Schau wiederum sehen viele nach Boss aus, aber das ist ja kein Wunder bei einem Dunkle-Anzüge-Label. Boris Becker sieht auf jeden Fall nach Boss aus. Er ist außerdem fast der Einzige, der die Regel beherzigt, wenigstens für den Abend so zu tun, als sei Oberbekleidung das Wichtigste auf der Welt. Die anderen haben weniger Übung. Moritz Bleibtreu sagt: „Wenn ich mal länger als 20 Minuten brauche, um mich anzuziehen, bring ich mich um.“ Thomas Kretschmann hilft, die Absperrung vor dem Laufsteg hochzuhalten. Er trägt ein ausgewaschenes rotes T-Shirt und Jeans.

Das sogenannte „Seating“ hat fast etwas von einer mathematischen Textaufgabe. Rechnet man mal, dass ein Laufsteg nicht länger sein sollte als 50 Meter, weil es sonst zu schwer wird, mindestens 30 Models mit einer Schrittgeschwindigkeit von zehn Stundenkilometern in 20 Minuten abzufertigen, dann bringt man pro Seite des Laufstegs nicht mehr als 100 Menschen unter (zwei magere Modemenschen pro Meter). Macht 200 Plätze, was umso heikler wird, je mehr wichtige Menschen zugesagt haben. Es geht ja nicht nur darum, vorne zu sitzen, sagt Nora Rochlitzer, PR-Chefin von Michalsky. Es geht ja auch darum, mittig zu sitzen! Auch die erste Reihe hat letzte Plätze. Und wer in die zweite muss, will wenigstens direkt hinter der Berühmtheit in der ersten sitzen. Abglanz ist auch ein Glanz.

Mathematische Lehrsätze der Modenschau über Bord geworfen

Michael Michalsky und seine PR-Frau haben es vielleicht am besten gemacht bei dieser Fashion Week, die zumindest dieses Jahr noch eher eine Modewoche war. Sie haben aus der Not – keine internationale Prominenz – eine Tugend gemacht und praktisch jeden nach vorne gesetzt. Sie haben sich einfach nicht an die mathematischen Lehrsätze der Modenschau gehalten, haben die gerade Linie, die Front Row, abgeschafft und dafür Front-Pyramiden gebaut: dreistufige Podeste, um die die Models herumlaufen mussten. Konnte jeder selber entscheiden, ob es schicker war, unten zu sitzen, aber am Laufsteg, oder ganz oben, aber dafür weithin sichtbar. Streit gab es nicht.

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