Fashion Week : Vom Knast auf den Catwalk

Bei der Fashion Week testen Jugendliche mit sozialen Problemen ihr Talent zum Modeln. Ihr Laufsteg sind sonst Schulhof oder Gefängnisflur.

Lea Hampel
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Topmodels. Diana und Rabah (v. l.) laufen auf der Fashion Week. -Foto: Thilo Rückeis

Diana, 19 Jahre, ist aufgeregt. Wenn sie an den Donnerstag nächster Woche denkt, kribbelt es im ganzen Körper. „Ich will alles richtig machen“, sagt die Schülerin aus Neukölln. Verständlich, denn Hunderte Augen werden auf sie gerichtet sein, wenn sie als eine von 25 Schülern auf der Fashion Week für die Modemarke Eastpak über den Catwalk läuft.

Nicht nur für die 19-jährige Mutter ist das eine Herausforderung. Die Jugendlichen in der Show haben alle einen schwierigen sozialen Hintergrund. Ihr Laufsteg sind sonst Schulhof oder Gefängnisflur. Sie sind zwischen 14 und 24 Jahren alt, kommen aus Neukölln, Kreuzberg oder so wie Rabah, 21, direkt aus dem Gefängnis. Unterstützung bekommen sie sonst durch Sozialarbeiter. Jetzt kümmern sich Stylisten um sie und proben mit ihnen den Auftritt auf der Fashion Week, die parallel zur Modemesse Bread and Butter stattfindet. Die Idee zur Modenschau hatte Katja Eismann-Erler von Eastpak bei der Fashion Week letzten Sommer. „Als wir dort als einzige Streetwear- Marke waren, war alles künstlich. Wir wollten was Authentisches.“

Damit kennt sich der Verein Gangway aus. Die Streetworker betreuen seit 21 Jahren Jugendliche in sozialen Schwierigkeiten. Ihnen bot das Modelabel an, Jugendlichen einen Einblick in die Modewelt und damit neue Perspektiven zu eröffnen. Bei Gangway stieß man auf offene Ohren: „Uns hat die Idee gefallen, weil unsere Jugendlichen so akzeptiert wurden, wie sie sind“, erzählt Geschäftsführerin Elvira Berndt. Prinzipiell stehe man Kooperationen mit Unternehmen skeptisch gegenüber. Aber Berndt gefiel die Botschaft an die Jugendlichen: „Du bist schön, kannst was und Du bist uns wichtig“. Außerdem habe es kein Casting gegeben. Wer mitmachen wollte, war dabei.

Seit vergangenem Dezember haben die Jugendlichen mit Choreografen geprobt, Ablauf und Musik für die Show durchgesprochen und gemeinsam geplant. Eine erste Feuerprobe gab es im Januar, als sechs Schüler auf der Fashion Week liefen. Die Öffentlichkeit wurde nicht informiert. Man wollte sehen, wie alles funktioniert und die Jugendlichen vor zu viel Presserummel schützen. „Dass da einiges anders war als bei den anderen Shows, hat man gleich gemerkt“, erzählt Tanja Mühlhans, Referentin von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen. Kaum hatte sie erfahren, worum es geht, setzte sie sich für eine Schirmherrschaft ein. „Wir fanden, das Projekt passt absolut zu Berlin“, erklärt sie und lobt die Verbindung aus Mode und sozialer Verantwortung, die auf den ersten Blick eher gegensätzlich seien.

Eine Verbindung, die auch Boris Entrup toll fand. Der mit „Germany’s Next Topmodel“ bekannt gewordene Makeup-Artist unterstützt das Projekt. Beim großen Trainingswochenende vor zwei Wochen hat er den „harten Jungs“ die Augenschatten weggeschminkt und die Augenbrauen gezupft. Diana hat das Schminken sehr gefallen: „Mit all den Cremes ist das viel besser, als sich selbst zu schminken“, erzählt sie. Aber: „Hinter der Bühne geht es viel stressiger zu, als man denkt.“ Spaß macht ihr das Modeln trotzdem. Und vielleicht profitiert sie auch sonst vom Projekt: die Senatsverwaltung überlegt, für einige Teilnehmer Patenschaften zu übernehmen. Lea Hampel

Wir verlosen fünf mal zwei Karten für das exklusive Opening-Konzert der Bread and Butter. Am 30. Juni um 20 Uhr spielt Mando Diao in der Columbiahalle, Columbiadamm 13. Einfach bis Mittwoch, 12 Uhr, eine Mail mit Betreff „Bread and Butter“ an verlosung@tagesspiegel.de senden. Bitte mit Adresse und Telefonnummer.

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