Fashion Week : Zurück zum Chic

Die Fashion Week neigt sich dem Ende zu. Tagesspiegel-Moderedakteurin Grit Thönnissen sieht vorm allem einen Trend: Kleidung wird wieder schicker. Mit eleganten Materialien wie Satin und Leder gehen die Designer weg von der Straße.

Grit Thönnissen
Sisi Wasabi Foto: dpa
Ärmel wie Autospoiler. Deses Cape von Sisi verleiht dem Outfit Dramatik. -Foto: dpa

Ladys, es wird schick. Und Jeans und Sweatshirt sind auch vorbei, meine Herren. Die Berliner Designer scheinen Angst zu haben, dass die Welt da draußen ihre Botschaft nicht verstanden hat: Wir machen keine Kleidung für die schmutzigen Straßen von Berlin, sondern gelackte Mode für den Salon, die rauschende Nacht, das Separee. Seitdem Berlin seine eigene Fashion Week hat, entwerfen die Designer immer mehr Teile, die auf einer Schau Eindruck schinden. Mit all den Prominenten sitzen ihre potenziellen Kundinnen ja auch in der ersten Reihe. Und spätestens in einer Woche brauchen sie neue Kleider für den roten Berlinale-Teppich.

Mit Glitzer besetzte Abendkleider

Wie es sich für einen Kirchgang gehört, waren die Gäste von Michael Michalsky am Freitagabend in der Zionskirche nicht gekleidet. Auch den Models in Spitzenbodys mit knappen bordeauxfarbenen Yetifellblousons und kleinen Tulpenröcken würde in jedem anständigen Gotteshaus der Einlass verwehrt bleiben. Dass sich Michalsky vom lieben Gott inspirieren ließ, war nicht zu übersehen: Leggins, Männerhosen, Hemden und mit Glitzersteinen besetzte Abendkleider waren mit einem Kirchenfenstermuster versehen. Die männlichen Models trugen Hemden mit weißem Priesterkragen und seinen Applaus nahm der Designer in einer Collegejacke mit der Aufschrift „Jesus loves me“ entgegen.

Schon bei der Sisi-Wasabi-Schau wenige Stunden zuvor hatte der schnöde Alltag nichts zu suchen. Jede Spur von trashigem Folklore- und Bundeswehrcharme, der das Label einst bekannt gemacht hat, war verschwunden. In diesem Fall ist die Weiterentwicklung gekonnt, seine orangefarbenen Seidenkleider und das Cape mit riesigen Spoilerärmeln sind eine Zierde für Berlin. Auch Leyla Piedayesh hat sich mit Lala Berlin von ihren Anfängen, dem Strick, entfernt. Für ihre Schau am Donnerstag kleidete sie Models in enge Lederhosen, übrigens eines der meist gesehenen Kleidungsstücke dieser Modewoche, und kombinierte dazu Seidentops. Wenn sie strickte, dann so grobmaschige Kleider, dass darunter nichts verborgen blieb. Dabei gehörten die Patchwork-Strickjacken, die Models über den kurzen Seidenhängerchen trugen, zu den schönsten Kleidungsstücken der Fashion Week.

Die Designerinnen von Kaviar Gauche erlaubten sich im Zelt am Bebelplatz einen Streich: Die Models schickten sie mit fast nichts am Leib, dafür mit Tasche am Arm ins Rampenlicht. Die zeugten zwar von echter Könnerschaft, aber dass die Designerinnen Berlin ihre wunderbaren Kleider vorenthielten, war nicht nett. Es wird gemunkelt, dass man sich die ganze Kollektion in wenigen Wochen auf der New Yorker Fashion Week anschauen kann.

Die nächste Entdeckungsreise in die Berliner Mode folgt bald

An den Alltag denken die Designer von Scherer Gonzàlez nie bei der Arbeit. Sie führen vor, dass Mode Kunst sein kann. Ihre Kleider sehen oft so außerirdisch aus, dass sich selbst Profis fragen: „Wie haben die das gemacht?“ Auch einige Auswärtige mischten beim Wettbewerb um das eleganteste Outfit mit: Marcel Ostertag aus München machte mit einer Kollektion, die mit schwarzem Leder und Satin begann und dann immer bunter wurde, Eindruck. All das zeigt: die modische Entwicklung Berlins ist im vollen Gang. In dieser Saison probierten sich die Designer etwas aus. Das Ergebnis erscheint manchmal etwas unsortiert. Aber die Entdeckungsreise Berliner Mode geht im Juli in eine neue, spannende Runde.


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