Festball : Oase der Hochkultur

Der Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller lud zum Festball ins Hotel Interconti – mit 2900 Gästen und dem ägyptischen Botschafter.

von und
325619_0_4c9994db.jpg
Festlicher Beginn vor dem Antanzen.Foto: Thilo Rückeis

Mit Frühlingsgefühlen, Optimismus und viel Aufbruchstimmung endete gestern Abend die Berliner Ballsaison. 2900 Gäste feierten auf dem großen Festball des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) im Hotel Interconti – und bewiesen, wie erholsam ein Ballabend auch und gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten sein kann. „Es wird wieder aufwärts gehen“, war sich VBKI-Präsident Klaus von der Heyde sicher. „Nicht so schnell wie von manchen erhofft, ein bisschen müssen wir noch ausharren, aber dann geht es wieder nach oben.“

„Ägypten – Hochkultur des Orients“ lautete das diesjährige Motto, der ägyptische Botschafter Ramzy Ezzeldin Ramzy hatte die Schirmherrschaft übernommen, und weil seine Ehefrau gerade in der Heimat weilt, kam es beim Eröffnungstanz zu ungewöhnlichen Kombinationen: Klaus von der Heyde tanzte mit Botschaftertochter Nevine Ramzy, der Schirmherr wiederum mit Kathrin von der Heyde, der Tochter des VBKI-Präsidenten.

Der gestrige Abend hat gezeigt: Unter der Regie von der Heydes hat sich der Ball zu einem exklusiven gesellschaftlichen Ereignis und damit fast zu einer eigenen Hochkultur entwickelt. „Die Gäste stehen im Mittelpunkt“, lautet seine Devise. Das bedeutet, dass auf die Verzierung der Gästeliste durch Film- und Fernsehsternchen konsequent verzichtet wird, ebenso wie auf Fotografengebrüll und Red-Carpet-Shows. Dresscodes wie Smoking und Abendkleid werden hingegen konsequent eingehalten. Diese selbstbewusste Ballpolitik hat dazu geführt, dass sich diejenigen wohl fühlen, die Berlin eigentlich am Laufen halten. Die Mittelständler zeigen sich betont elegant und diskret. Besonders die Damen mit ihren überlegt ausgesuchten, aufwendigen Kreationen öffnen bei diesem Anlass gern das Schaufenster in ein zukunftsfreudiges und leistungsstarkes Berlin.

Dem Image der Stadt, das lange geprägt war vom Hype um schräge Sternchen und vermeintliche Prominente, tut dieser Ball gut. Hier zeigt sich die Berliner Gesellschaft von ihrer substanziellen Seite. Auch Interconti-Chef Willy Weiland war gestern voll des Lobes. „Ich mag den familiären Charakter des Abends, ich mag es, Freunde und Bekannte zu treffen, die hier unbeschwert feiern.“ Außerdem hatte er Gelegenheit, sich schon mal inspirieren zu lassen und den ein oder anderen Reisetipp einzuholen: Für November plant er eine Tour nach Ägypten. Von der Heyde war gerade erst dort, eine Woche in Soma Bay, dem Berliner Winter entfliehen. „Ich kann es nur empfehlen.“

Unter den Gästen waren auch der französische Botschafter Bernard de Montferrand, sein britischer Amtskollege Sir Michael Anthony Arthur, Ralf Christoffers, der Wirtschaftsminister von Brandenburg, IHK-Präsident Eric Schweitzer, DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben und der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Hermann Parzinger. Abgeordnetenhauspräsident Walter Momper, seit Jahrzehnten treuer VBKI-Ballgänger, war gestern bester Laune, freute sich über einen „entspannten Abend mit angenehmen Menschen – hier ist niemand überkandidelt.“

Appetit auf Networking auf höchstem Niveau machten orientalische Vorspeisen: Wachtelspießchen, rosa gebratener Lammrücken und Jakobsmuscheln. 2000 Flaschen Champagner, 15 000 Sushi und 2000 Currywürste für den Mitternachtssnack standen bereit, damit die Berliner Wirtschaft stilvoll in den Morgen feiern konnte. Auch bei der Musik ging es nicht in erster Linie um berühmte Namen, sondern um Orchester, die mitreißen und Lust aufs Tanzen machen. Sechs Bands spielten insgesamt. „Wer sich bei dem Angebot nicht amüsiert, ist fast selbst schuld“, sagte der VBKI-Präsident. Und entschwand ins Ballgetümmel.

Eine ausführliche Ballberichterstattung auf 16 Seiten finden Sie in unserer Beilage in der Tagesspiegel-Ausgabe am Montag.

Autoren

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben