Festival : Lauschige Plätzchen für Musik

Jetzt beginnt das Festival "Musik in den Häusern der Stadt". Wohnzimmer verwandeln sich in Konzerträume. Auch in Küchen wird gerockt.

Eva Kalwa
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Hausmusik. Juliane und Stefan Beiten laden nach Lichterfelde. -Foto: Thilo Rückeis

Wer hält die kurze Begrüßungsansprache? Ist der Blumenstrauß, den Muriel Zoe am Ende des Konzerts bekommen soll, schon bestellt? Und wo kann die Musikerin aus Hamburg ihre CDs signieren, im großen Esszimmer oder doch besser am Kamin? Für Juliane und Stefan Beiten gibt es bis zum Sonnabend noch jede Menge zu bedenken, zu besorgen und zu planen. Schließlich möchte das Ehepaar seinen Gästen einen schönen Abend bescheren – sowohl der auftretenden Sängerin als auch den mindestens 50 Zuhörern.

„Musik in den Häusern der Stadt“ heißt das heute beginnende Festival, bei dem Privatleute ihren Wohnraum für Konzerte zur Verfügung stellen. Die helle, geschmackvoll eingerichtete Wohnung der Beitens befindet sich in einem weißen Gründerzeithaus in Lichterfelde. Sie ist groß genug, um darin rund 40 Klappstühle und 30 Papphocker aufzustellen, von denen alle Gäste eine gute Sicht auf die Sängerin und ihren Gitarristen neben dem Kamin haben sollen. „Ich kenne ähnliche Einladungen aus meinem Münchner Elternhaus – es ist schön, Gäste mit den verschiedensten sozialen und beruflichen Hintergründen willkommen zu heißen“, sagt Stefan Beiten, Leiter einer Filmproduktionsfirma.

In Köln gibt es das Festival seit 13 Jahren, in Berlin war 2008 Premiere. Die Beitens waren dabei, allerdings noch als Zuhörer. Ein Freund in Mitte hatte seine Wohnung zur Verfügung gestellt. „Wir drängten uns alle in seiner recht kleinen Küche“, erzählt Juliane Beiten. „Die Mischung aus öffentlichem und privatem Ereignis schuf eine einzigartige Atmosphäre.“

Diesmal wollen sie selbst Gastgeber spielen. Ihrem Besuch bieten sie am Samstag nicht nur Wasser, Saft und Wein, sondern über einen Catering-Service auch etwas zu essen an. Und zwar freiwillig, denn die kompletten Eintrittsgelder kommen den Künstlern zugute. Wie viel Zeit, Geld und Engagement man investiert, bleibt jedem der 15 Berliner Gastgeber selbst überlassen. Der Veranstalter „Kunstsalon“, eine private Kulturförderinitiative, schaut sich zwar die Wohnungen potenzieller Gastgeber auf ihre Eignung hin an, macht aber kaum Vorgaben, wie weit die Gastfreundschaft gehen muss. „Die Teilnahme soll nicht vom Geldbeutel abhängig sein“, sagt Heino Schütten vom „Kunstsalon“. Das Wichtigste ist, dass mindestens 40 Gäste Platz finden, damit dem Gedanken der künstlerischen Nachwuchsförderung Rechnung getragen werden kann. Ob man dann lieber eine Singer-Songwriterin, ein Jazztrio, ein Saxofonquartett, ein Klassik- oder Chansonduo in seinem Wohnzimmer oder seiner Küche empfängt, ist reine Geschmackssache.

Die Konzerte finden nicht nur in Privatwohnungen und -häusern, sondern auch in Fabriketagen, Besprechungszimmern und Clubs statt. Organisiert werden sie aber auch dort von Privatpersonen. „Es ist toll, wie viel großzügiges Engagement wir erleben“, sagt Schütten, der darauf hofft, dass sich im nächsten Jahr in Berlin in allen Bezirken Gastgeber finden. Nicht nur sie betreten an einem solchen Abend Neuland, auch viele der Künstler sind es nicht gewohnt, in Privaträumen zu spielen. Muriel Zoe, die zwar schon oft bei Freunden in Berlin, aber noch nie in Lichterfelde war, freut sich sehr auf ihren Auftritt bei Familie Beiten und ist sich sicher: „Das wird spannend und alles andere als alltäglich.“

Karten (18 Euro, erm. 11) zu allen 15 Berliner Konzerten gibt es nur im Internet auf www.kunstsalon.de. Infos: 0221-93679530.

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