"Fête de la Musique“ : Der Beat von Berlin

600 Bands, 70 Bühnen und eine Stadt: Die „Fête de la Musique“ wird unter freiem Himmel gefeiert. Die Konzerte gibt’s gratis.

André Görke
Fete
Foto: promo

Kurzer Rückblick ins Jahr 1997: Am Checkpoint Charlie schüttet es aus Kübeln, doch das stört die Jungs mit dem lustigen bayerischen Akzent herzlich wenig. Sie dreschen derart fröhlich auf ihre Gitarren ein, dass die Meute vor dem Kleinlaster den Regen vergisst und einfach zwischen den tiefen Pfützen umherhüpft. Diese bayerische Band, die da 1997 bei der „Fête de la Musique“ auftrat, sollte später einen gewissen Ruhm erlangen.

Sie heißt: Sportfreunde Stiller.

Merke: Bei der Fête de la Musique, die seit 1982 stets am 21. Juni – der Sommersonnenwende – stattfindet, wird immer gefeiert, auch bei Nieselregen (der ja leider für heute angekündigt ist). 600 Bands auf 70 Bühnen spielen alle nur denkbaren Stilrichtungen, und mit etwas Glück sind sie einige Jahre später – Stars.

Heute ist wieder Fête de la Musique. In der gesamten Stadt, umsonst und draußen. Eine Übersicht.

Die leidenschaftlichste Bühne: Sommerflair garantiert! An der „Osthafen-Spreebar“ – zwischen Universal und MTV – tanzen Tangogruppen aus Berlin und Polen am Wasser; das Publikum entspannt neben Fackeln und Lichtern an der Flusspromenade – oder tanzt am besten mit.

Osthafen, Stralauer Allee 2, nahe Oberbaumbrücke, Friedrichshain, 17 - 22 Uhr.

Die charmanteste Bühne: Auch der Savignyplatz ist in diesem Jahr dabei. Vor der stilvollsten Absacker-Bar des Viertels, dem „Gainsbourg“, und einmal quer gegenüber vorm „Brel“ stehen Bühnen am frisch aufgehübschten Platz; Stilrichtungen: Chanson, Pop, A-Capella.

Savignyplatz, Charl’burg, 17- 23 Uhr.

Die wildeste Bühne: Bühne? Besser ist die „wildeste Meile“. In der Wiener Straße 14, 15 und 20 ist traditionell gute und harte Musik zu hören. Der Bürgersteig gehört den Freunden des gepflegten Gitarrensports, die mit ihrem Flaschenbier im Takt tänzeln. Stil: Pop, Rock, Indie.

Weiße Taube, Wiener Blut, Wild at Heart – Wiener Straße, Kreuzberg, 17 - 23 Uhr.

Die entspannteste Bühne: Sie liegen wunderschön nah an Spree: das „Heinz Minki“ und daneben der „Freischwimmer“ im Flutgraben. Entspanntes Publikum (so lange man nicht in die dunkle Brühe geschubst wird). Stil: Reggae, Rock, Pop.

Heinz Minki und Freischwimmer, Am Schlesischen Tor (neben der Aral-Tankstelle), Kreuzberg, 17 - 23 Uhr.

Die erfahrenste Bühne: Diese drei Bühnen sind die treuesten der Fête de la Musique. Am „Kuchen-Kaiser“ steht Elektro und Punk auf dem Programm; im „Pfefferberg“ wird im schattigen Sommergarten Weltmusik gespielt – und im Kreuzberger „Golgatha“ Pop und Rock. Los geht’s im Viktoriapark mit 50er Jahre Rock’n’Roll.

Kuchen-Kaiser, Kreuzberg, Oranienplatz 11-13; Pfefferberg, Schönhauser Allee 176, Prenzlauer Berg; Golgatha, Kreuzberg, Dudenstraße 46 - 48, je 17 - 23 Uhr.

Die schönste Bühne: Na gut, zumindest ist das „Kiki Blofeld“ eine der schönsten Bühnen Berlins, wo Obstbäume stehen, man direkt an der Spree liegt (im feinen Sand!) und zu Salsa, Soul, ChaCha und Merengue träumt. Wer wach genug ist, kann natürlich auch mittanzen.

Kiki Blofeld, Köpenicker Straße 48/49, Mitte, 17 - 22 Uhr.

Die sonnigste Bühne: Davon dürfte es mehrere geben. Die eine befindet sich mitten im sonnigen Kulturforum, wo das Festival mit dem etwas gewöhnungsbedürftigen Namen „Die schönste Oma“ stattfindet. Stil: Pop, Rock und Hip-Hop.Kulturforum, Matthäikirchplatz, Tiergarten, 17 - 22 Uhr.

Die populärste Bühne: Im sonnigen Mauerpark steht die populärste Bühne, wo einst auch schon Seeed und Beatsteaks feierten. Diesmal wird dort zu Rock, Ska, HipHop-Beats geschwitzt – die Gäste diesmal: Puppetmastaz (19.45 Uhr) und Jeans Team (21 Uhr).

Mauerpark, Bernauer Straße, Prenzlauer Berg, 17 - 22 Uhr.

Die älteste Bühne: Im – zugegeben: nachgebauten – Nikolaiviertel werden heute Chöre zu hören sein und A-Capella.

Nikolaiviertel, Mitte, 17 - 22 Uhr.



Die sandigste Bühne: Nette Menschen im Liegestuhl am Ufer, fröhlich winkende Touristen auf Dampfern auf der Spree. In der „Strandbar Mitte“ wird Jazz und Pop gespielt, dazu gibt’s gutes, kaltes Pils; im jüngst eröffneten „Strandgut“ hinter der East-Side-Gallery – mit tollem Panorama über die Spree – wird Rock, Hip-Hop und Elektro gespielt. Großstadtstrände!

Strandbar Mitte, Monbijoupark, Mitte; Strandgut, Mühlenstraße 61-63, Friedrichshain, 17 - 22 Uhr.

Die elektronischste Bühne: „Electronic Traditional Fusions“ heißt jene Bühne in der Oranienburger Straße, auf der DJs auftreten mit Namen wie DJ e.d.2000 oder DJ Ill-o auftreten sowie ein gewisser – aufgepasst! – DJ Dr. Motte.

Silberstein & Ambulance, Oranienburger Straße 27, Mitte, 17 - 22 Uhr.

Die härteste Bühne: Der Name ist Programm, im „Feuermelder“ am Boxhagener Platz trifft sich die Knüppelfraktion zum gemeinsamen Aggressionsabbau. Stile: Hardcore, Metal, Punkrock – und im nahe gelegenen „Cassiopeia“ wird ebenfalls Hardcore gespielt; dort tritt die Szenegröße She-male Trouble auf.

Feuermelder, Krossenerstraße 24; Cassiopeia, Revaler Straße 99, beide Friedrichshain, beide 17 - 22 Uhr.

Die lässigste Bühne: Die dürfte vorm „Yaam“ stehen, wo Reggae gespielt wird (und wo bis morgens um 5 Uhr auch satt weitergetanzt werden darf – drinnen).

Yaam, Stralauer Platz 35-37, F’hain.

Die erste Bühne: Der Auftakt des Tages findet auf der „Zions City Stage“ statt, oder besser – daneben. Um 13 Uhr beginnt die Fête de la Musique mit einem Gottesdienst in der Zionskirche, danach Familienprogramm – und ab 17 Uhr Reggae, Ska und Dancehall. Um 21.45 Uhr spielt Mellow Mark.

Zionskirchplatz, Mitte

Noch mehr Bühnen im Netz:

www.fetedelamusique.de

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