Fête de la Musique : Mit Pauken und Trompeten in den Sommer

Die Fête de la Musique geht am Sonntag in ihr 15. Jahr. Zum runden Geburtstag spielen auch die Veteranen von Element of Crime.

Anna Sauerbrey
Element of Crime
Gut bei Puste. Sven Regener, Element of Crime.Foto: ddp

Werktage, Dauerregen, Fußball-WM – die Fête de la Musique, die nach französischem Vorbild jedes Jahr am 21. Juni Musik umsonst und draußen bietet, hat einiges überstanden. „Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass es jedes Jahr weitergeht“, sagt Simone Hofmann, die seit den Anfängen die Berliner Fête organisiert, die traditionell zum Tag des Sommeranfangs steigt. Wenn also an diesem Sonntag das Fest Geburtstag feiert, also zum 15. Mal zwischen 16 und 22 Uhr draußen und nach 22 Uhr auf Innenbühnen geschrammelt, getrommelt, gesungen, gegeigt oder auf sonst irgendeine Weise musiziert wird, ist allein das schon ein Grund zum Hingehen.

Was aber wäre ein Jubiläum, selbst ein kleines, ohne Veteranen? Ohne die „Alten“, die die Überlebensfähigkeit der Sache personifizieren? Auch aus dieser Perspektive muss es Festivalleitung und Publikum besonders gefallen, dass sich in diesem Jahr Element of Crime angekündigt haben. Gegründet von Nordlicht und Multitalent Sven Regener, stehen Element of Crime für Durchhaltevermögen, aber auch für Innovationsfähigkeit. Die Mitglieder sind zwar schon ein wenig angegraut, dennoch schrieb der Kopf der Band mit „Herr Lehmann“, „Neue Vahr Süd“ und „Der kleine Bruder“ noch in fortgeschrittenem Alter glaubwürdige und erfolgreiche Entwicklungsromane. Im Herbst erscheint außerdem ein neues Album, das 13. Auf der Fête de la Musique will die Band dessen Songs zum ersten Mal live spielen und sich warmmachen für den Festival-Sommer, wie Wahlberliner Sven Regener sagt.

In ihrer langen Karriere konnte die Band in Sachen Fête einige Erfahrung sammeln. Dieses Mal spielen Element of Crime um 18.30 Uhr auf der Bühne mit dem längsten Namen des Festivals, der AnnaBlumeSowohlAlsAuchZumDrittenMann-Bühne an der Ecke Kollwitzstraße/Sredzkistraße in Prenzlauer Berg. Aber auch mit dem Original, der Pariser Fête de la Musique, ist die Band vertraut. Ein bisschen merkwürdig sei es dort gewesen, als deutsche Band sei man in Frankreich ja eher ein „Weltmusikphänomen“, erinnert sich Sven Regener.

Auf der Berliner Fête waren Element of Crime schon einmal 1997 vertreten, die Band spielte am Winterfeldtplatz, ein Auftritt, an den sich Regener – der von sich behauptet, er vergesse nie etwas – gern erinnert: „Wir waren gerade noch dabei, unseren Kram einzurichten, und plötzlich war der Platz voll mit Leuten, wie wenn Gips plötzlich abbindet.“ Eine „nette, lockere Sause“ sei das gewesen.

Überhaupt sei das ja das Gute an der Fête für Musiker: Ohne Druck auftreten zu können, ohne das jemand auf die verkauften Eintrittskarten schaut. 40 Minuten Auftritt, wie für den Prenzlauer Berg geplant, sind zwar für Live-Veteranen wie Element of Crime keine Herausforderung mehr, sondern eher „ein kleiner Gruß aus der Küche", wie Regener sagt. Aber für junge Nachwuchsmusiker, die sonst kein Publikum finden, sei die Fête eine Riesenchance. Nicht wenige Bands, die auf der Fête noch als No-Names auftraten, verkaufen heute begehrte Konzertkarten, nicht zuletzt Seeed.

Der Nachwuchs scheint das zu wissen. Über 300 Bewerbungen erhält das Organisationsteam um Sabine Hofmann jedes Jahr, ohne groß dazu aufzurufen, nur 60 bis 70 kann die Fête-Chefin an die Bühnen vermitteln, die teilweise ihr eigenes Programm stellen. Noch mehr gültige Bewerbungen wären es, erzählt Sabine Hofmann, wenn sich alle Musiker an die Deadline halten würden. In Sachen Disziplin muss mancher Jungmusiker offenbar von den alten noch lernen.

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