Film : Bratwurst bei Bushido

2000 Fans kamen zum Filmdreh am Flughafen Tegel. Stargast des Abends war jedoch ein anderer: Karel Gott.

Lea Hampel
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Bushido dreht seit Wochen seine Biografie, die im Frühjahr 2010 in die Kinos kommt. -Foto: dpa

Jetzt bloß nichts falsch machen. Um an diesem kalten Abend hier zu sein, haben die Fans lange gewartet. Erst vor Bushidos Laden nahe Alexanderplatz, um ein Ticket zu bekommen, abends dann vor dem Einlass zum Zentralen Festplatz am Flughafen Tegel. Und jetzt stehen sie aufgeregt vor der Bühne: 2000 Fans, die mit Bushido einen Kinofilm drehen wollen, oder besser: seinen Film. Denn hier entstehen in dieser Nacht zu Sonnabend Aufnahmen für Bushidos Autobiografie „Zeiten ändern sich“, die seit Wochen in der Stadt verfilmt wird und im Frühjahr 2010 in die Kinos kommen soll.

Dass es nach drei Wochen Hitze an diesem Abend regnet, ist „verfickte Scheiße“, wie Bushido es nennt, aber es passt zur Dramaturgie. Riesige Scheinwerfer überstrahlen den Platz, eine Kamera hängt über der Menschenmenge, Dixieklos sind aufgestellt und Getränkestände. Wie bei einem echten Konzert. Als härtestes Getränk wird „Red Bull“ angeboten. Es gibt natürlich auch einen Fanartikelstand, doch Mützen und Shirts brauchen die 2000 Statisten nicht. Schon im BVG-Bus war zu erkennen, wer zum Dreh fährt. Junge Männer in weiten Hosen und Tanktops, viele mit Bushidofrisur: alles abrasiert, außer einem großen Oval auf der Schädeldecke. Daneben junge Frauen in tief ausgeschnittenen Kleidern und Mütter, die die jüngsten Fans begleiten. Einheitliches Erkennungszeichen: das „B“ für Bushido, auf T-Shirts, Caps und als Tattoo am Hals.

Um 21 Uhr sollte Drehbeginn sein, seit einer Stunde sind die Fans hier, doch das Warten im Matsch geht weiter. „Was machen die Filmmenschen, wenn wir jetzt alle gehen?“, fragt sich ein junger Mann. Doch die Neugier ist zu groß. Vorerst zeigt man Geduld mit Produzent Bernd Eichinger und Regisseur Uli Edel („Baader Meinhof Komplex“), die auf der Bühne gestikulieren.

Um 21.32 Uhr ertönen schließlich die ersten Pfiffe, da heißt es plötzlich: „Das Team von der Bühne – wir drehen!“ Die Klappe fällt, die Lichter gehen an, die Musik geht ab: „In einem unbekannten Land …“ Im Publikum herrscht kurze Verwirrung: Auf der Bühne steht ein älterer Mann im Samtjacket mit weißem Einstecktuch und singt: „Und diese Biene, die ich meine, die heißt Maja.“ Es ist Karel Gott, er hat mit Bushido den Song „Für immer jung“ aufgenommen. Und dass er hier singt, ist die Überraschung, die Bushido angekündigt hatte. Keine 30 Sekunden vergehen, dann skandieren 2000 Fans statt „Bushido!“ im Takt „Karel Gott, Karel Gott!“. Weitere zwei Minuten später ist Bushido auf der Bühne. „Für immer jung“, tönt es aus den Boxen, die harten Rapper im Publikum vergessen für einen Moment, dass sie im Kino zu sehen sein könnten, wenn sie ihren Kumpel umarmen und mit Bushido und Karel Gott mitsingen: „Ein Leben lang für immer jung, Du musst dich an die schöne Zeit erinnern“. Vielleicht stecke ja doch in jedem eine kleine Biene Maja, wie Bushido vermutet. Jedenfalls fühlt es sich fast an wie ein richtiges Konzert. Aber nur fast.

Nach vier Songs geht auch schon wieder das Licht an, aus den Boxen ertönt die Ansage „Das war’s“ und der Rapper Kay One tritt auf die Bühne. Es ist kalt, sehr kalt, die ersten Fans gehen gegen 22 Uhr. Zumal die anderen Schauspieler wie Hannelore Elsner, Moritz Bleibtreu und Uwe Ochsenknecht gar nicht zu sehen sind. Doch die Mehrheit bleibt tapfer im Matsch stehen. Als Dankeschön, sagt Bushido, gibt es hinterher für jeden „’n Getränk und ’ne Wurst“. Lea Hampel

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