Film : Letzter Ausweg Schusswaffe

Wie der Vater so der Sohn: Robert Glatzeder liebt das Schauspiel genauso wie sein Vater Winfired auch. Vor der Kamera stehen reicht im nicht mehr, jetzt führt er Regie. Sein Debüt "High, high, high" ist bitterböse.

Liva Haensel

BerlinEs soll eine Charity-Veranstaltung werden: Kleine schwarze Kinder sollen bei einer Modenschau laufen, um die Big Spender zu animieren. Man will Kohle sehen, denn darum dreht sich die Welt. Doch nur weil es einigen Leuten rund um den Erdball nicht so gut geht, muss man selbst nicht auf alles verzichten, oder? Die beiden Veranstalterinnen, die High- Society-Ladys Coco de Veuve und Bobby Mensel, wissen genau, was ihnen guttut: Eine riesige Sektflasche thront auf dem Goldtischchen, Kokain ist immer in Reichweite und Tabletten zur besseren Laune und zum Abnehmen auch. Doch in der Reich-und-schön-Fassade gibt es gewaltige Risse: Die Freundinnen keifen sich an, beschuldigen sich gegenseitig, geifern und japsen. Nur gut, dass Bobby eine Schusswaffe besitzt.

Szenenwechsel: Robert Glatzeder, 37, läuft geschäftig in der ehemaligen BVG-Kantine in den Weddinger Uferhallen umher und sucht einen Scheinwerfer. Da – gefunden. Jetzt kann fast nichts mehr schiefgehen. Die Premiere des bitterbösen Stücks „High, High, High“ ist auch sein persönliches Debüt als Regisseur. Der Sohn des Schauspielers Winfried Glatzeder hat 1998 sein Diplom an der Filmhochschule Konrad Wolf in Potsdam gemacht, nachdem er sich vorher noch ein bisschen in Philosophie und BWL ausprobiert hatte. „Ich habe schon während der Schulzeit Theater gemacht“, sagt der Mann mit dem kantigen Gesicht und den schulterlangen Haaren. Glatzeder sieht den berühmten Vater nicht als Schatten, sondern als Ratgeber, sagt er.

"Traumhafte Kindheit"

In Pankow aufgewachsen, siedelte er mit seinen Eltern und dem drei Jahre jüngeren Bruder 1982 nach West-Berlin über, nachdem er eine „traumhafte Kindheit beim Amalienpark und in Rosenthal“ verlebt hatte. Im Westen angekommen, war diese dann erst mal vorbei – ein Auffangheim war das neue Zuhause für Robert und seine Familie. „Die Zeit war nicht besonders schön dort“, sagt Robert Glatzeder und guckt prüfend seine Videokamera an, mit der er gleich das Theaterstück aufnehmen wird.

Seit Jahren spielt er Rollen in Fernsehproduktionen, dreht selbst Musikvideos und tobt sich kreativ aus. Seine Rolle als Bruder Thomasius bei den Störtebeker-Festspielen auf Rügen im vergangenen Sommer hat ihm sehr gefallen: „Ein Mönch, der nicht nur redet, sondern echt was tut, das war klasse“, sagt Glatzeder. Die Idee zu „High, High, High“ kam ihm, weil andere Drehbücher einfach nicht taugten. „Wir wollten etwas Lustiges, etwas, an dem die Leute Spaß haben.“ Mit „wir“ meint er Konstantin Achmed Bürger und Kirsten Hildisch, die im Stück die Society-Ladys spielen und die er noch aus Studienzeiten kennt. Über die beiden kann der Regisseur auch nach zwei Monaten Probenzeit noch lachen. „Ich freue mich immer wieder über die Gags“, sagt er.

Sein Theaterstück an der Uferstraße in den urigen Werkhallen handelt von der „Absurdität von Reich und Arm“, sagt der Künstler, der seit Jahren in Friedenau lebt und von sich selbst sagt, dass er sich freut, weil er einigermaßen von der Schauspielerei leben kann. Die Zuschauer klatschen am Ende begeistert, stoßen an, beglückwünschen den Newcomer. Ein Glas Sekt gefällig? Aber gerne doch! Liva Haensel

Die nächsten Aufführungen sind am Freitag und Sonnabend. Tickets und Infos unter www.high-high-high.de.

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