Filmdreh : Terroristenjagd im Flughafen

Der "Schakal" wird in Tempelhof gedreht. Der Airport dient als Kulisse für Städte wie London und Rom.

Daniel Stender
Temopel
Action im Airport: In der Abflughalle hat Regisseur Olivier Assayas (mitte) nis in die Nacht gedreht. -Foto: Wolff

Der Top-Terrorist Carlos, alias Ilich Ramírez Sánchez, lebte in den 70er- und 80er Jahren wie der Playboy des internationalen Terrors: Er hortete Geld auf Schweizer Banken und verprasste es für Luxushotels und Frauen. Und er verübte blutige Anschläge. 1975 auf das Opec- Hauptquartier in Wien, 1983 auf das Maison de France am Ku’damm. Mindestens acht Menschen soll er getötet haben. 1994 wurde er verhaftet – und sitzt noch immer in Paris in Haft.

Am Dienstagabend wurde Carlos nun in Tempelhof gesehen, allerdings war es nur Edgar Ramírez, der den Terroristen in einem neuen Film spielt. „Carlos - der Schakal“, so soll die Produktion heißen, für die der französische Regisseur Olivier Assayas auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens drehte. In den Hauptrollen: Edgar Ramírez, Alexander Scheer und Nora von Waldstätten.

„Tempelhof ist ein fantastischer Ort“, sagt Nora von Waldstätten, die Magdalena Kopp, Carlos Frau, spielt. Der Dreh in den verlassenen Gängen und Terminals sei einzigartig. Der Flughafen dient allerdings nur als Kulisse für die Flughäfen von London, Rom, Budapest und Paris, auf denen Carlos unterwegs war. Den Film hat Olivier Assayas akribisch recherchiert. Die Handlung basiert auf Zeugenaussagen, Gerichtsprotokollen und Polizeiakten. Schauspieler Alexander Scheer hat sich sogar vier Leitzordner mit Stasi-Unterlagen über Johannes Weinrich, den Komplizen von Carlos, besorgt. Schließlich arbeiteten die Terroristen mit dem DDR-Geheimdienst zusammen. Weinrich sitzt heute noch im Gefängnis in Moabit. Trotz mehrerer Versuche hat Scheer nicht mit dem ehemaligen Terroristen sprechen können, auf Briefe hat er keine Antwort erhalten. Ohnehin sei die Annäherung an einen mehrfachen Mörder wie Weinrich nicht einfach. „Einerseits ein armes Würstchen“, sagt Scheer, „andererseits ein großes Arschloch“.

Ähnlich sieht das auch Edgar Ramírez, der den Carlos spielt. Genau wie der Terrorist kommt Ramírez aus Venezuela, manche in seiner Heimat halten Carlos heute noch für einen Helden. Andere sagen, er sei eine Schande für das Land. „Genau diesen Widerspruch finde ich interessant“, sagt Ramírez.

Allerdings ist der Film keine reine Dokumentation, so wird zum Beispiel der Anschlag auf das Maison de France in Berlin nicht erwähnt, bei dem ein Mensch starb und 23 verletzt wurden.

Der Dreh in Tempelhof dauerte bis spät in die Nacht, denn am heutigen Mittwoch fährt die Crew nach Sachsen-Anhalt. In und um Halle an der Saale sollen die Episoden aus Carlos Leben spielen, die sich in Ost-Berlin zugetragen haben. Hier sähe es eben noch mehr nach Ostdeutschland in den 70er Jahren aus als im heutigen Berlin, sagt Produzent Jens Meurer.

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