Filmfestspiele in Berlin : Wie eine junge Peruanerin die Berlinale erlebte

Die Peruanerin Elisa Tenaud ist mit dem Film „El Soñador“ zum ersten Mal auf der Berlinale. Berlin veränderte ihren Blick auf ihr Land und seine Kultur und auf sich als Schauspielerin.

Birte Fuchs
Elisa Tenaud ist mit dem Film „El Soñador“ zum ersten Mal auf der Berlinale.
Elisa Tenaud ist mit dem Film „El Soñador“ zum ersten Mal auf der Berlinale.Foto: null

Auf der Berlinale bewundert Berlin die Welt, die großen Stars, die fremden Filme. Aber mit der Berlinale entdeckt auch die Welt Berlin. Die peruanische Schauspielerin Elisa Tenaud war dieses Jahr zum ersten Mal auf dem Festival, von dem sie in der Uni gehört hatte. Ihr Debutfilm „El Soñador“, der Träumer, lief in der Kategorie „Generation 14+“. Elisa spielt Emilia, die weibliche Hauptrolle, die sie für fünf Tage in den Kosmos von guten Filmen, Ruhm und Rotem Teppich nach Berlin gebracht hat. Prompt hat sie sich verliebt - in die Stadt, in der alles ganz anders ist, als sie erwartet hätte und mit dem bricht, was sie von zuhause kennt.

 Zuhause, das ist für Elisa Tenaud, Lima. Dort besuchte sie die französische Schule, spielte ein Jahr lang Theater und studierte Audiovisuelle Kommunikation. Durch ihre Eltern, die beide beim Fernsehen arbeiten, stand Tenaud schon mit zwei Jahren vor der Kamera. Zu schüchtern für die Fernsehwelt, tanzte sie in der Pubertät lieber Ballett. Seit 2013 kennt Peru Tenauds Gesicht als „Shirley“ aus der Telenovela „Avenida Peru“. Und dann wurde sie ausgewählt für ihren ersten großen Film, steht nun hier, auf den roten Teppichen, die weniger für sie gedacht sind, als für die ganz großen wie Meryl Streep, die auch Tenauds Idol ist.

 Tenaud wird nicht von Journalisten überrannt, keine Fans schreien ihr hinterher, mit ihr trinkt George Clooney keinen Kaffee. Das ist dem Nachwuchs-Stern egal. Sie will Filme sehen, will sich austauschen – und sie will raus auf die Straßen von Berlin. In den Underground, sagt sie.

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 Elisa Tenaud lief mit ihren Filmfreunden durch die Kälte, bestaunte die Graffitis und liebte es, in der U-Bahn die Leute anzugucken, wie sie sich kleiden, wie sie sich verhalten. „Man sieht in den Blicken, dass die Leute offen sind, nicht urteilen“, sagt Tenaud und ihre ruhige Stimme klingt heller dabei.

Sie gingen in eine Bar Nähe Alexanderplatz, vermutet sie, genau weiß sie es nicht mehr, zu viel ist neu für sie. „Da lief Trab-Musik, total romantisch“, sie lacht mit einem leichten Rasseln in der Kehle, „die Leute waren von überall, hatten bunte Haare, Zöpfen, Strähnen, haben unterschiedliche Sprachen gesprochen und total verrückt getanzt, ohne sich zu schämen. Das war toll, ich habe mitgemacht“. Auch wenn sie nicht die Tänzer sind, denen dieses gewisse „Etwas“ im Blut liegt, wie in Südamerika, tanzten sie mit Leidenschaft und niemand guckte sie schräg an. „Das ist la chaleur“, sagt Tenaud auf französisch, das die von ihrem Opa hat, weil kein spanisches Wort es besser beschreibe.

 Zuhause, erzählt die 21-Jährige, „ist es schwierig sich zu so kleiden, wie man will und damit auf die Straße zu gehen“. Ihre dunklen Augen blicken dabei so fest auf den Tisch, als sähen sie einen Film auf der Leinwand. Peru ist sehr konservativ. Es beginnt sich zu ändern. Aber die Leute in Lima gucken einen an, wenn man anders aussieht, und urteilen schnell. Deshalb würde Elisa Tenaud, die zierliche „Morena“, deren glatten schwarzen Haare lang auf das dunkelrote Samthemd fallen, die neu entdeckte Schauspielerin, die an das Ehrliche im Film und an die Kraft des Herzens glaubt, gerne einmal die Rolle einer „Verrückten spielen, mit Dreadlocks und dem Stil wie von Rihanna“, sagt sie. Frauen, wie sie sie in Berlin gesehen hat.

 Die Vorstellung von einer wilden Rolle macht ihr Spaß, aber auch Angst. „Im Film zeigst du auch immer etwas von dir“, sagt sie und zweifelt, ob sie für die scharfen Zungen des Peruanischen Publikums gewappnet ist. Seit der Berlinale und ihren Begegnungen in Berlin, weiß Tenaud, was sie will: Schauspiel studieren in Peru und Frankreich, ihre Komfortzone verlassen, reisen um zu drehen. Oder drehen um zu reisen. Beides. Und es klingt, als wolle sie vor allem eines: Die  gesellschaftlichen Grenzen in Peru aufbrechen und eine freie Schauspielerin werden. Vieles konnte sie von Berlin nicht sehen, die Zeit war zu knapp, die Filme zu wichtig. Tenaud hofft, dass sie wieder hier stehen wird, Autogramme verteilt, vielleicht auf dem roten Teppich von Fans umjubelt wird. Zurück zuhause, wird sie ihren Freunden sagen: ihr müsst nach Berlin.

 

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