Filmpremiere : Roter Teppich für die Eisbärfans

Von den spektakulären Bildern des Klimadramas „Unsere Erde“ zeigten sich die Zuschauer ergriffen.

Elisabeth Binder
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Down under: Unterwasseransicht eines schwimmenden Eisbären. -Foto: Universum

Eigentlich hätte Knut, der vielgeliebte Eisbär, ja auch noch über den roten Teppich vorm Cinestar am Potsdamer Platz gehen müssen. Hier hätte die Star-Rolle gepasst. Seine Artgenossen werden in den kommenden Wochen ganz sicher die Herzen jener Kinobesucher rühren, die abseits vom Berlinale-Trubel besondere Leinwanderlebnisse suchen. Zwei Abende vor Beginn der Filmfestspiele trafen sich viele Prominente, darunter Arthur Brauner, Udo Kier, Alexandra Kamp, Alexandra Maria Lara und Sam Riley, zur feierlichen Deutschlandpremiere des spektakulären Naturfilms „Unsere Erde“ im Sony-Center.

„Wir freuen uns, dass wir den Film endlich in unserer Heimatstadt zeigen können“, sagten die Produzenten Stefan Beiten und Nikolaus Weil und berichteten, dass das Dokudrama in Japan bereits zuverlässige Hollywood-Quotenbringer wie Will Smith geschlagen habe. Schon die Fotos, die vorab zu sehen gewesen seien, hätten sie tief beeindruckt, sagte Designerin Jette Joop, die Inspirationen für ihre Kollektionen auch in der Natur sucht.

Bevor es losging, mussten einige längere Reden überstanden werden, deren Motive sich ähnelten. Immer wieder ging es um die vielen bedrohten Arten auf der Welt; um die Schönheit, die es zu retten gelte. Das vermittelt der Film selbst aber viel eindringlicher. Der britische Botschafter Michael Arthur machte keinen Hehl aus seinem Stolz auf die BBC, die an 4500 Drehtagen 1000 Stunden Filmmaterial zusammengetragen hat und mit über 40 Kamerateams in 26 Ländern unterwegs war. Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) nutzte die Chance, um ausführlich Stellung zu nehmen zum Thema Klimawandel.

Als die Bilder endlich zu laufen begannen, hörte man nur noch mitfühlendes Seufzen, langgezogene „Oooos“ und „Aaaachs“ angesichts der Eisbärenbabys, deren Mutter verzweifelt versucht, Futter zu finden, während das Eis unter ihr schmilzt. Oder auch beim Elend der kleinen Elefanten, die sich durch die Kalahariwüste zum nächsten Wasserloch quälen und dort immer noch nicht in Sicherheit sind. Da nahm auch die Malerin Elvira Bach die Sonnenbrille ab, mit der sie sich sonst die Welt in ein schöneres Licht taucht. Am Ende gab es großen Applaus für die Regisseure Alastair Fothergill und Mark Linfield, die von besonderen Momenten berichteten, einem letzten Blick aus dem Helikopter auf den an Hunger sterbenden Eisbären.

„Ich hoffe, dass die Menschen nach diesem Film einsehen, dass es eben nicht reicht, zwei Energiesparlampen einzuschrauben, dass man auch Tempolimits braucht …“, sagte die grüne Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast. „Das ist spannender als jeder Actionfilm“, kommentierte ergriffen Top-Model Franziska Knuppe. Dem italienischen Botschafter Antonio Puri Purini war der Film zwar ein bisschen zu unpolitisch, mit zu wenig Handlungsanweisungen am Schluss. Aber dafür habe er „geile Bilder“, wie Jette Joop sagte, wirke direkt über die Sinne. Ingeborg Schäuble, Vorsitzende der Welthungerhilfe, fand ihn „ideal für Schulklassen“. Bei der Premierenparty im China-Club waren sich viele einig: Dieser Film könnte auch zu Kassenschlangen führen. Und mit dem am Ende eingeblendeten Satz, dass es 2030 keine wild lebenden Eisbären mehr geben wird, wenn der Klimawandel so weitergeht, hat er seine aufrüttelnde Funktion ja auch erfüllt. Elisabeth Binder

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