Filmprojekt : Übung in Toleranz

Jüdische und muslimische Jugendliche standen für ein Filmprojekt gemeinsam vor der Kamera.

Ferda Ataman

Die Überraschung war auf beiden Seiten groß: „Die sind ja gar nicht so anders“, stellte Selcuk, Schüler des Albrecht-Dürer-Gymnasiums Neukölln fest. Im Rahmen eines Filmprojekts der Deutschen Welle und des Jüdischen Museums, hat er einen neuen Freund gefunden, Emanuel von der Jüdischen Oberschule in Mitte. Bei der Präsentation des Films „Koscher – gibt’s das nicht auch im Islam?“, rappten die beiden am Montagabend gemeinsam vor großem Publikum im Jüdischen Museum. Der Saal war voll, und blieb es auch zur Diskussion mit dem Intendanten der Deutschen Welle, Erik Bettermann, der Initiatorin des Filmprojekts, Evelyn Fischer, und Ivana Scharf vom Jüdischen Museum, die in den vorigen zwei Jahren im Rahmen eines mobilen Bildungsprojekts bundesweit über 11 000 Schüler erreicht hat.

Zu den Hauptdarstellern des Films gehören auch die Jüdin Sharon und die aus dem Irak stammende Muslimin Rasha, die sich über ihre gemeinsame Leidenschaft für Mangas gefunden haben. „Auf Leute zuzugehen, offen zu sein, mit ihnen zu reden, das ist der Weg. Sonst verpasst man was“, sagte Sharon. Und Selcuk wünscht sich, dass es viel mehr solcher Begegnungsprojekte geben sollte: „Wenn so was gefördert würde, würde es jedem helfen.“ Der Film werde überall in der arabischen Welt ausgestrahlt, sagte Erik Bettermann. In Ägypten erreichte er eine Einschaltquote von 12,5 Prozent. Schulen können den Film über die Deutsche Welle beziehen. Im Internet kann man ihn unter www.dw-world.de mit dem Suchbegriff „Koscher“ abrufen.

Die gegenseitigen Vorbehalte, die die Schüler überwinden mussten, kommen deutlich zur Sprache. „Wenn einer was zu Trinken hat und das austrinken soll, dann sagen wir ''ex oder Jude!'' Wir könnten natürlich auch sagen ''ex oder Mädchen'', aber wir sagen halt Jude.“ Das erklärt der 16-jährige Selcuk am Anfang des Films, in dem die 11. Klassen beider Schulen aufeinandertreffen. Es gibt Berührungsängste auf beiden Seiten: Der 16-jährige Emanuel beteuert am Anfang, er werde sich nicht „bei denen dafür entschuldigen“, dass er Jude ist.

Unsicherheit gibt es vor der Begegnung auch in der Neuköllner Schule: „Ich hoffe, die haben keine Vorurteile“, sagt Selcuk und verzieht sein Gesicht. „Wenn ja, denken die bestimmt, wir sind alle kriminell und werden sie gleich verhauen.“

Von außen wäre schwer zu erraten, wer wer ist. Rasha trägt eine schwarze Kappe, Sharon trägt Stulpen an den Armen. Sie reden über ernste Themen, über Ansprüche auf Land zum Beispiel. „Da war immer jemand, der schon früher da war“, sagt Rasha. Sharon nickt, „und irgendwann geht die Welt unter, und es gibt keine Schokolade mehr“. Die beiden lachen. Ferda Ataman

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