Fimpremiere : Bill Kaulitz: Der Traum vom ersten Kuss

Blitzlichtgewitter und ohrenbetäubendes Geschrei der Fans: Bill Kaulitz bei der Premiere von „Arthur 2 und die Minimoys“.

Andreas Conrad
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Bill Kaulitz gab viele Autogramme -Foto: ddp

Pech gehabt! Da hatte sie wahrscheinlich Stunden zugebracht, um sich à la Bill Kaulitz zu frisieren, das Haar dunkel-hell gesträhnt und stachelig in alle Richtungen fixiert. Einen guten Platz ganz vorne am roten Teppich konnte sie ergattern, harrte vielleicht wie andere Verehrerinnen seit dem Vortag aus – und dann kommt ihr Bill mit ganz anderer Frisur. Nicht streifig, sondern pechschwarz, nicht rundum stachelig, sondern nur vertikal, immerhin geschminkt und die Fingernägel lackiert wie gewohnt, mit Ketten behängt, das ist nun mal sein Stil.

„Am roten Teppich kann es gar nicht laut genug für mich sein“, hatte der Sänger von Tokio Hotel kurz zuvor im nahen Ritz Carlton am Potsdamer Platz einer kleinen Journalistenrunde verraten, die ihn vor der Premiere im nahen Cinestar befragen wollte. Denn im Animationsfilm „Arthur 2 und die Minimoys – Die Rückkehr des bösen M“ hat Bill Kaulitz wieder der Titelfigur die Stimme geliehen, wie schon vor zwei Jahren im ersten Teil. Nun, dass es am roten Teppich leiser zugehen würde als damals, dass die Fans gar – eine Horrorvorstellung für Wild Bill – brav klatschen würden statt sich die Seele aus dem Leib zu schreien, das war nicht zu befürchten.

Beim ersten Mal war Regisseur Luc Besson an seiner Seite, nun ist er allein, auch Zwillingsbruder Tom nicht in Sicht, für Bill eine seltsame Situation: „Wir sind nie vollständig, wenn wir alleine sind.“ Der Bruder, die Eltern, das seien die wichtigsten Personen in seinem Leben. Im Übrigen gilt: „Privatleben gibt es gar nicht mehr.“ Also auch keine Möglichkeit, Menschen in normalen Situationen kennenzulernen. Eine seiner Lieblingsszenen im Film, so steht es im Presseheft, sei der erste Kuss zwischen Arthur und Minimoy-Prinzessin Selenia. Ähnliches kennt er sicher auch. Freundinnen? Na klar – bis 15, sagt er. Dann kam der Erfolg, diese coole Zeit, mit Leuten, die alles für einen erledigen, aber ohne die Möglichkeit, jemanden wirklich privat kennenzulernen. Erfolg, das sei eben Segen und Fluch zugleich. Doch, er sei zufrieden mit seinem Leben, „aber ich würde gerne mal Fehler machen können, ohne das sich gleich alle dazu eine Meinung machen.“ Und die Liebe? „Ich habe gar keine Möglichkeit, mich zu verlieben.“ Dennoch, er bleibt optimistisch: „Ich glaube an die Liebe auf den ersten Blick.“

Erstaunlich, dieser Bill. Androgyn gestylt bis in die letzte Haarspitze, nicht überraschend nennt er als eines seiner Idole David Bowie. Und doch bleibt er im Umgang erfreulich natürlich und locker, kein bisschen geziert. Man kann ihn offenbar alles fragen, und wenn er nicht antworten will aus gutem Grund, geschieht das ganz beiläufig, keiner kann ihm böse sein. Ja, er habe kürzlich erstmals gewählt, das sei für ihn selbstverständlich, aber wen? Natürlich lässt er das offen.

Der dritte „Arthur“-Teil ist bereits abgedreht, beim Synchronisieren wird Bill wohl wieder dabei sein, wenngleich er es noch immer nicht mag, seine Stimme zu hören. Aufgezeichnet empfinde er sie ganz anders als beim Sprechen, das kenne wohl jeder von sich selbst. Beim Singen dagegen „ kann man mehr kontrollieren“.

Auch sein Aussehen kontrolliert er lieber selbst, seit der Schulzeit schon. Als er sich das erste Mal die Haare färbte, war er gerade elf. Ein Stylist, der ihn zurecht mache? Für ihn noch so eine Horrorvorstellung. Er braucht ihn nicht, hat Routine. Eine Stunde, länger dauere es nicht – inklusive Duschen. Andreas Conrad

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