Flughafenschließung : Letzter Start von Tempelhof wird ausgelost

Die letzte Start ab Tempelhof ist genehmigt worden: Am 30. Oktober um 23.55 Uhr geht’s nach Schönefeld. Darüber, welche von zwei Maschinen am Ende fliegen darf, entscheidet das Los.

Klaus Kurpjuweit
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Einsteigen. Eine der beiden letzten Maschinen, die von Tempelhof starten, wird ein Rosinenbomber sein. -Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die Geschichte des Flughafens Tempelhof geht mit einer Verlosung zu Ende. Das Glück bestimmt, wer am 30. Oktober exakt fünf Minuten vor Mitternacht zum letzten Start abheben wird – die Ju 52 der Lufthansa Berlin-Stiftung oder der Rosinenbomber DC 3 der Air Service Berlin GmbH. Beide hatten sich für den letzten möglichen Start beworben. Die Luftfahrtbehörde, die die Flüge genehmigen muss, weil sie innerhalb des Nachtflugverbots stattfinden, wollte sich nicht festlegen und überlässt die Entscheidung dem Los. Wer verliert, muss etwas früher abheben. Die letzten Flüge führen, so oder so, übrigens nach Schönefeld.

Obwohl der Flughafen in Tempelhof zwei Startbahnen hat, können die Maschinen nicht gleichzeitig abheben, um gemeinsam das Prädikat einzuheimsen, mit ihrem Flug die Ära des einstigen Zentralflughafens beendet zu haben. Für Parallelstarts liegen die beiden Startbahnen zu dicht beieinander. Auf dem neuen BBI-Großflughafen in Schönefeld werden eines Tages dagegen zwei Maschinen gleichzeitig starten und landen können – vielleicht schon zur Inbetriebnahme. Bewerber dafür gibt es aber noch nicht.

Beide Flugzeuge, die Tempelhof als Letzte verlassen wollen, haben eine besondere Beziehung zu diesem Flughafen. Er war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs Heimatflughafen der Lufthansa; die Ju 52 war in den 30er Jahren eines der weltweit modernsten Passagierflugzeuge, das von Tempelhof aus zu Flügen in alle Richtungen aufbrach. Die Lufthansa-Stiftung nahm eine Maschine wieder in Betrieb und gab ihr 1986 den Namen Berlin-Tempelhof – aus Verbundenheit zu der Stadt. Die Lufthansa durfte bis zur Wende nicht nach Berlin fliegen. Ihr erster Flug nach der Wiedervereinigung führte dann mit der Ju 52 wieder nach Tempelhof.

Und mit der DC 3 begann 1948 nach der Blockade von West-Berlin die Luftbrücke. Erst später wurden die Maschinen dann durch die größeren viermotorigen DC-4-Militärmaschinen abgelöst. Heute gehört der Rosinenbomber Air Service Berlin und startete in der Vergangenheit wie die Ju 52 von Tempelhof aus zu Rundflügen. Die letzten sind für beide Maschinen bis zum Ende des Flugbetriebs bereits ausgebucht.

Der Rosinenbomber wird nach dem Aus von Tempelhof in Schönefeld stationiert, im einstigen „Feindesland“. Dort entsteht im Terminal C, der vorher den El-Al-Maschinen nach Tel Aviv vorbehalten war, ein „Event- und Showterminal“. In der Glaskonstruktion mit der Form eines Flügels wird es nur Rundungen und Ellipsen geben. Vor dem Start zu den Rundflügen sollen die Passagiere in einem Hightech-Kino auf den Flug mit dem letzten Rosinenbomber, der in Europa fliegt, eingestimmt werden. Für die Fahrt der Passagiere vom Terminal zum Flugzeug setzt Air Service Berlin einen original amerikanischen Schulbus ein. Die Terminal-Eröffnung ist für den 1. November vorgesehen, zwei Tage nach dem Aus in Tempelhof.

Dort bleibt es dabei, dass der letzte Linienflug mit Cirrus Airlines um 21.50 Uhr stattfindet; zehn Minuten vor dem Beginn des Nachtflugverbots. Cirrus hat den Abflug extra von 20 Uhr nach hinten verschoben. Lufthansa kann hier nicht dabei sein, weil die Kranich-Linie planmäßig nur von und nach Tegel fliegt.

Zumindest eine der letzten Maschinen soll den Luftraum über Tempelhof nicht sofort verlassen, sondern noch ein wenig kreisen. Geplant ist, von oben zu filmen, wie um Mitternacht am Boden die Lichter auch an den Start- und Landebahnen erlöschen. Dann werden auch die Türen abgeschlossen und nie wieder für Passagiere geöffnet.

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